10 ungewöhnliche Ziele und skurrile Details
Breiter als lang
Kaum jemand beachtet ein weniger bekanntes Merkmal der O’Connell
Bridge ... die Brücke ist nämlich ein äusserst
seltenes Exemplar ihrer Gattung! Nehmen Sie sich einige Minuten
Zeit und vergleichen Sie die Entfernung zwischen den Ufern des
Liffey und die Entfernung zwischen den Brückengeländern.
Genau! Die O’Connell Bridge ist wesentlich breiter, als
sie lang ist! Das fällt in der Rush Hour aber nicht weiter
auf, dann könnte die Brücke noch dreimal so breit sein
und wäre trotzdem verstopft.
Namensgeber
In der Earl Street finden Sie das Hörgerätefachgeschäft
„Bonavox“, das eigentlich keinen nicht medizinisch
begründeten Besuch wert wäre. Wenn nicht der Dubliner
Künstler Guggi als Heranwachsender so von dem Namen fasziniert
gewesen wäre, dass er einen Jugendkumpel mit einem darauf
basierenden Spitznamen versehen hätte. Und dieser Jugendkumpel
trägt den Spitznamen, jetzt als Künstlernamen, immer
noch: Bono von U2. Kein Scherz! Webseite: www.bonavox.net
Die Wiege aller „No-Nay-Never“
Zwischen Merrion Square und St. Stephen’s Green
findet man O’Donoghue’s Pub, eine schummrige, kleine
und gar nicht touristisch aufgemotzte Kneipe, in der man professionelle
Trinker erwartet. Dieser eher unauffällige Pub ist jedoch
ein Mekka der Mainstream-Folkfans, denn man hört hier des
Abends nicht nur fröhliche Klänge ... die legendären
Dubliners wurden hier aus der Taufe gehoben. Übrigens hiessen
die grossen alten Herren des irischen Volksliedes ursprünglich
„Ronny Drew Ballad Group“ (mindestens einmal auch
als „Ronnie Drew Ballet Group“ angekündigt!),
erst Luke Kelly kam nach Lektüre eines Joyce-Werkes auf den
einprägsameren Namen. Webseite: www.odonoghues.ie
Deutsche Dankbarkeit
Geht man an die südöstliche Ecke des St. Stephen’s
Green, wird man auf ein Denkmal in Sachen Hunger und Flüchtlingselend
stossen. Dieses hat jedoch nichts mit Kartoffelfäule, Famine
oder irischen Emigranten zu tun (die diesbezüglichen Statuen
findet man am Custom House Quay), sondern mit Deutschland nach
dem „Dritten Reich“. Das Denkmal soll die Dankbarkeit
des deutschen Volke für die aus Irland geleistete humanitäre
Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren.
Admiral Nelson’s Kopf
Als sich 1966 das 50jährige Jubiläum des Osteraufstandes
näherte, stand ein Denkmal des britischen Frühimperialismus
noch immer weit sichtbar auf der O’Connell Street. Und auch
noch gegenüber des GPO. Dabei zeigte es noch nicht einmal
Dublins berühmtes Sohn Arthur Wellesley, nein, der kriegsbeschädigte
Admiral Nelson beherrschte strengen Blickes das Allerheiligste
des Republikanismus. Das konnte die IRA so nicht stehen lassen!
Im wahrsten Sinne des Wortes: Mit einer massiven Sprengladung
machten sie dem Spuk ein Ende (... und, wie die Dubliners einst
sungen, leisteten einen Beitrag zur Eroberung des Weltraums mit
„an Admiral in Space“). Heute kann man Nelson’s
Kopf (also den Rest der Statue, nicht das Original!) im Civic
Museum bewundern. Da, wo er einst stand, ragt jetzt der Spire
in die Höhe! Webseite: www.dublincity.ie/services/library/cm2.htm
Rechtsverkehr
Für Einheimische und noch mehr für kontinentaleuropäische
Touristen verwirrend ist die Einfahrt zum Parkhaus des Jervis
Centre in der Jervis Street. Bedingt durch die Einbahnstrassen-Situation
musste die Auffahrt nämlich für Rechtsverkehr konstruiert
werden! Was bei manchen Besuchern zu wahren Panikanfällen
führt oder, gelegentlich, auch zur Benutzung der Ausfahrt
als Einfahrt. Webseite: www.jervis.ie
Falsche Fenster
Die prachtvolle Fassade des Carlton Cinema lag lange Zeit
dem Verfall offen und wurde erst vor kurzem restauriert, Wenn
man sich dem Nordende der O’Connell Street nähert,
ist das (nicht mehr betriebene) Kino deutlich zusehen. Vielleicht
wundern Sie sich allerdings an einem regnerischen Tag, warum ein
blauer Himmel in den grossen Fenstern reflektiert. Ganz einfach
es ist keine Spiegelung, sondern ein Gemälde. Echtes
Glas hätte gute Zielscheiben abgegeben ...
Im Galopp über Kopfsteinpflaster
Eine weniger bekannte Einrichtung selbst bei längerfristig
Ansässigen ist der Pferdemarkt, der an jedem ersten Sonntag
im Monat auf dem Smithfield Square abgehalten wird. Hier geht
es nicht um Gewinner vom Kaliber eines Shergar, oh nein! Stattdessen
sieht man einen lebhaften Handel mit struppigen Mischungen, bunten
Ponies und mehr oder minder störrischen Eseln. Während
Kinder und Jugendliche im typischen Northside-Stil reiten (ohne
Sattel und mit einem Strick als Zaumzeug), kann man die merkwürdigsten
und schrillsten Typen bei Verkaufsgesprächen beobachten.
Hier wird noch Cash nach Handschlag bezahlt! Smithfield Square
selbst ist übrigens Europa’s grösster Platz mit
Kopfsteinpflaster und bei Regen schon ohne die Hinterlassenschaften
der Verkaufsobjekte recht rutschig.
Kaum Ähnlichkeit ...
Das National Wax Museum in der Granby Row, weniger Schritte
vom Parnell Square entfernt, fällt sofort auf: Ein Riese
verschafft sich ungesetzlichen Eintritt und gibt dem Museum einen
Flair von Hollywood oder Orlando. Die Umgebung allerdings bringt
einen schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Das
täglich von 10:00 Uhr (Sonntags 12:00 Uhr) bis 17:30 Uhr
geöffnete Wachsfigurenkabinett hat eine eindeutig irische
Ausrichtung, so dass man viele „Persönlichkeiten“
nicht sofort erkennt. Auch nicht nach Lektüre der dazugehörigen
Schilder, denn Tussaud-Qualität hat das Museum nun mal nicht.
Aber für einen regnerischen Nachmittag mit U2, Phil Lynott,
Wolfe Tone, Dracula oder Qui-Gon Jinn (Liam Neeson in „The
Phantom Menace“) immer gut. Die Kinder werden die Simpsons
lieben, vielleicht auch das traditionelle Kasperletheater („Punch
& Judy“).
Verpasst
Zu guter Letzt noch einmal zurück an die O’Connell
Bridge ... Sie haben sich mit Ihrem/Ihrer Liebsten dort verabredet,
warten seit Stunden und nichts passiert. Das Handy klingelt, der/die
Liebste ist dran und fragt, wo Sie denn bleiben. Sie versuchen
zu erklären, der/die Liebste versucht zu erklären, Sie
laufen beide mehrfach über die O’Connell Bridge und
finden doch nicht zueinander. Sie brüllen sich per Handy
an. Sie beenden die Beziehung. Sie stürzen sich in die Fluten
... doch halt! Das muss nicht sein! Machen Sie nur klar, auf welcher O’Connell Bridge Sie gerde sind. Das Stadtzentrum hat nämlich
praktischerweise gleich zwei vorzuweisen die bekannte über
den Liffey und die unbekanntere im St. Stephen’s Green! |