Royal Canal Way

Wer Dublin wirklich einmal aus ungewöhnlicher Perspektive kennenlernen möchte und nicht nur Stöckelschuhe und italienische Designer-Loafer im Gepäck hat, der/die kann sich mit dem Royal Canal Way einen unvergesslichen Tag schaffen. Dieser Wanderweg kann grob in zwei Teile gesplittet werden, wobei der „Stadtteil“ kürzer und auch für unerfahrene Wanderer zu managen ist.

Der Stadtteil der Wanderung beginnt an der Newcomen Bridge, am 1st Lock (Lock ist nicht ein Schloss, sondern die Schleuse!) nimmt man den Towpath (früher für die Zugpferde gedacht) auf der Südseite des Kanals. Man passiert dann Clarke’s Bridge, hat einen Panoramablick auf Croke Park, geht über Clonliffe Bridge weiter und überquert den Kanal schliesslich wieder an der Binns Bridge, ab dem 2nd Lock muss man die Nordseite benutzen. Der Grund wird schnell klar, denn bei den 3rd und 4th Locks grüsst das Mountjoy Jail und man darf ganz leise „The Auld Triangle“ summen. Weiter geht es an Cross Guns Brisge und dem 5th Lock vorbei zum 6th Lock, wo einen ein Schleusenwärterhaus als Ruine erwartet.

Der Weg danach – 7th Lock, Broome Bridge, Reilly’s Bridge, 8th Lock, 9th Lock und schliesslich Longford Bridge. Hier endet der Stadtteil und man kann ab der Station Ashtown wieder zurück in die Innenstadt einen Zug nehmen … oder erstmal ein kräftiges Häppchen im nahegelegenen „Halfway House“.

Der „Landteil“ des Royal Canal Way beginnt ebenfalls an der Longford Bridge, ab der man wieder auf der Südseite lustwandelt (… dieser Begriff wird bald relativ!). Nach dem 10th und 11th Lock kommt man an der nicht mehr benutzten Ranelagh Bridge vorbei, danach begegnet man der Dunsink Lane Bridge und kann gelegentlich Blicke auf die Sternwarte erhaschen. Für Verkehrsexperten wird dann der M50 Roundabout interessant, denn am Kanal überquert man Dublins Ringautobahn, während gleichzeitig der Blanchardstown Bypass mit seinem riesigen Roundabout über und die Bahnlinie neben einem liegt! In der Nähe der Talbot Bridge kann man danach einige alte Mühlen sehen, die jetzt als Wohnungen genutzt werden.

Etwa an der Granard Bridge dann beginnt „The Deep Sinking“, eine Fehlplanung der Kanalstrecke machte es notwendig, dass hier tief in Felsen gegraben wurde – beeindruckend, aber für den Wanderer auch etwas gefährlich, denn hier sind die steilsten und höchsten Stellen des Towpaths, der zudem of rutschig werden kann. Also ist absolute Aufmerksamkeit geboten!

Die Kirkpatrick Bridge lässt man noch auf der südlichen Kanalseite hinter sich, an der Kennan Bridge allerdings kreuzt man den Kanal wieder auf die Nordseite, der Pfad wird auch breiter und weniger abenteuerlich. Langsam lässt man auch die Vororte hinter sich; an der Callaghan Bridge darf man noch das alte Stellwerk Clonsilla bewundern, kurz danach einige Reste einer alten Eisenbahnbrücke, aber dann befindet man sich fast plötzlich in einer Felderlandschaft, in der Traktoren vor sich hin puttern.

Der Weg am Kanal wird breiter, man fühlt sich freier nach dem „Deep Sinking“ und entdeckt im Bereich der Packenham Bridge die nummerierten Plätze für die regelmässigen Wettangeln, hinter der Collins Bridge dann auch das Gelände der Royal Canal Amenity Group, die seit 1974 den Kanal als Naherholungsattraktion pflegt und propagiert.

Die nächste Brücke, nämlich die Cope Bridge direkt am GAA-Spielfeld, sollte den Endpunkt der Tageswanderung bilden. Ab hier kann man mit der Bahn zurück nach Dublin fahren, oder aber man entscheidet sich für einen Abstieg in das kleine Städtchen Leixlip und fährt dann mit dem Bus (eventuell gestärkt nach einem Besuch in zahlreichen Restaurants oder Pubs).

Noch einige abschliessende Bemerkungen

Der Stadtteil der Wanderung bis zur Longford Bridge ist vor allem für Stadt- und Industriefans geeignet, die das Ungewöhnliche suchen, viel reine Natur findet man auf der etwa sechseinhalb Kilometer langen Strecke nicht. Die etwas über elf Kilometer des Landteils von der Longford Bridge bis nach Leixlip sind idyllischer, aber nicht für unsichere Wanderer oder gar kleine Kinder geeignet – die Steilwände im „Deep Sinking“ fallen ohne Warnung oder Geländer bis zu zehn Meter in den Kanal ab.

Leider ist der Royal Canal nicht nur als Naherholungsgebiet populär, viele Drogengeschäfte laufen an der Ufern ab, man nutzt das Kanalbecken als kostenlose Abfallentsorgung oder versucht auch, Leichen darin zu versenken. Aus diesem Grund (und schon wegen der fehlenden Beleuchtung) ist der Kanal „from Dusk till Dawn“ absolut zu meiden. Grundsätzlich gibt es sehr einsame Stellen am Kanal und auch manche merkwürdige Gestalt lungert dort herum, so dass sich die Wanderung eher für Selbstbewusste oder Kleingruppen empfiehlt – mit gesundem Menschenverstand und bei Tageslicht spricht jedoch vieles für diese ungewöhnliche Dublin-Tour.

Webseite: www.waterwaysireland.org

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