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Essen & Trinken in Dublin

Boxty, Coddle, Irish Stew und Austern, dazu Guinness und Whiskey – wo Dublin traditionell isst und trinkt, welche Adressen sich lohnen und was die Brauerei- und Brennerei-Erlebnisse kosten.

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Inhalt

Dublins Küche ist deftig, ländlich und eng mit der Kartoffel verwoben – und genau das macht sie spannend. Viele der bekanntesten Gerichte waren ursprünglich Arme-Leute-Essen, das aus wenigen Zutaten viel herausholte. Dieser Überblick zeigt, an welchen Adressen es die Klassiker noch handgemacht gibt, welche Märkte sich lohnen und was die kostenpflichtigen Erlebnisse rund um Guinness & Whiskey kosten – jenseits der überteuerten Touristen-Pubs rund um die Temple Bar.

Boxty – der Kartoffelpfannkuchen mit eigenem Haus

Boxty ist ein irischer Kartoffelpfannkuchen aus einer Mischung roh geriebener und gekochter, gestampfter Kartoffeln, Mehl und Buttermilch. Außen knusprig, innen weich – und in Dublin am ehesten gefüllt serviert. Die bekannteste Adresse dafür ist Gallagher’s Boxty House (auch The Boxty House) an der Temple Bar 20–21, ein Familienbetrieb, den es dort seit den 1980er-Jahren gibt und der 2026 weiterhin geöffnet hat.

Auf der Karte stehen handgemachte Boxty mit Füllungen wie Rind oder Lachs, dazu Irish Stew, Seafood Chowder, Fish & Chips und Shepherd’s Pie. Getrunken wird hauseigenes Bier, dazu Cocktails und Irish Whiskey. Die offizielle Website nennt keine Öffnungszeiten, und Aggregator-Angaben widersprechen sich – verifiziere die Zeiten also kurz vor dem Besuch. Anders als bei vielen Temple-Bar-Adressen ist die Küche hier eindeutig auf die irische Tradition ausgerichtet und kein reiner Pub-Standard.

Dublin Coddle – das Schmorgericht der Stadt

Wenn ein Gericht „typisch Dublin” ist, dann Coddle. Es besteht aus Schweinswurst, dicken Speckscheiben, Kartoffeln und Zwiebeln, die langsam in Brühe geschmort werden – ein einfaches, sättigendes Essen, das traditionell als Resteverwertung und Samstagabend-Mahlzeit vor dem Pub diente. Der Name kommt vom englischen „to coddle”, also langsam köcheln.

Authentisch bekommst du Coddle abseits der Hauptrouten:

  • The Gravediggers (John Kavanagh), 1 Prospect Square in Glasnevin, direkt am alten Friedhof. Den Pub gibt es seit 1833, geführt in sieben Generationen von der Familie Kavanagh – einer der traditionsreichsten Orte Dublins.
  • The Hairy Lemon an der Stephen Street, mitten in der Stadt und ebenfalls für seinen Coddle bekannt.

Beide liegen außerhalb des touristischen Kerns und geben einen unverstellteren Eindruck der Dubliner Küche als die Pubs entlang der Temple Bar.

Irish Stew und Irlands ältester Pub

Irish Stew ist der Klassiker schlechthin: ursprünglich Arme-Leute-Essen aus Lamm oder Hammel, Kartoffeln, Zwiebeln und Wurzelgemüse, langsam geschmort, bis das Fleisch zart und die Brühe aromatisch ist. In Dublin verbindet sich das Gericht mit einer ganz besonderen Adresse.

The Brazen Head an der Bridge Street Lower 20 (Merchant’s Quay) gilt als Irlands ältester Pub. Die Tradition führt den Standort auf das Jahr 1198 zurück, das heutige Gebäude stammt von 1754, urkundlich belegt ist der Ausschank ab 1653. Der Pub ist für sein traditionelles Irish Stew und seine Live-Musik bekannt – ein Ort, an dem Essen, Geschichte und irische Musiktradition zusammenkommen (mehr dazu im Ratgeber zur irischen Tradition).

Eine zweite verlässliche Adresse für Stew ist O’Neill’s an der Suffolk Street, gut gelegen, aber außerhalb des Temple-Bar-Trubels. O’Neill’s ist zugleich eine starke Frühstücksadresse – mehr dazu gleich.

Full Irish Breakfast – wo es sich lohnt

Das traditionelle irische Frühstück ist reichhaltig: Würstchen, Rashers (Rückenspeck), Spiegelei, Tomate, Bohnen, Pilze, dazu Black und White Pudding sowie Toast oder Soda Bread. Es ist eher Wochenend- als Alltagsessen, in vielen Pubs aber täglich zu haben.

O’Neill’s öffnet bereits um 8 Uhr und serviert ein vierzehnteiliges Frühstück, zu dem ein Kartoffelkuchen mit Dubliner Cheddar gehört. Wer es familiärer mag, findet weitere Adressen:

  • O’Rourke’s, eine bodenständige Frühstücksadresse mit kompaktem Full Irish.
  • Flanagan’s, ein familiengeführter Pub an der O’Connell Street, der seit 1980 besteht.
  • Murphy’s Bistro am Bachelors Walk, ebenfalls mit klassischem Full Irish auf der Karte.

Verlässliche Preise weisen die Häuser online nicht aus, und die Tageskarten ändern sich – die Erfahrung zeigt aber: Ein solides irisches Frühstück muss in Dublin kein Vermögen kosten, wenn man die richtigen Adressen kennt.

Austern – Saison, R-Regel und das Galway-Festival

Irische Austern aus dem klaren, nährstoffreichen Atlantikwasser gelten als erstklassig und werden klassisch roh mit einem Glas Guinness serviert. Wichtig ist die Saison: Die heimische Flachauster (Ostrea edulis) hat von September bis April Saison – den Monaten mit „R”, weil die Tiere von Mai bis August laichen. Die seit den 1970er-Jahren eingeführten pazifischen Felsenaustern sind dagegen ganzjährig verfügbar, da sie in irischen Gewässern nicht laichen.

Das große Ereignis liegt nicht in Dublin, sondern im Westen: Das Galway International Oyster & Seafood Festival findet 2026 vom 25. bis 27. September statt (72. Ausgabe). Es wurde 1954 gegründet und gilt als ältestes durchgehend ausgetragenes Austernfestival der Welt. Das Programmgerüst steht bereits (Stand Juni 2026): freitags Oyster Farm Tours, der Oyster Trail durch die Pubs der Stadt und die irische Meisterschaft im Austernöffnen, samstags Festival Brunch, Parade of Flags, die Weltmeisterschaft im Austernöffnen und der RNLI Charity Ball, sonntags ein Familien- und Nachhaltigkeitsprogramm. Die Ticketpreise für 2026 waren im Juni 2026 noch nicht veröffentlicht (Kontakt: [email protected], +353 91 394637). Galway liegt rund 210 km westlich von Dublin – etwa 2 bis 2,5 Stunden mit Auto oder Bus über die M6, mit dem Zug ab Heuston rund 2,5 Stunden. Ein Ausflug lohnt sich am ehesten, wenn ohnehin mehr von Irland auf dem Programm steht – Anregungen dazu im Ratgeber zu Touren & Ausflügen.

Guinness, Whiskey und Irish Coffee

Die Trink-Seite des Themas hat in Dublin eigene Häuser – und eigene Preise. Das Guinness Storehouse am St. James’s Gate ist Irlands meistbesuchte Attraktion; das Standardticket „Experience Only” beginnt online bei rund 22 € (dynamische Preise, vor Ort teurer) und enthält ein Pint in der Gravity Bar. Upgrades wie die Guinness Academy gibt es ab rund 34 €. Das Irish Whiskey Museum an der Grafton Street bietet markenübergreifende Touren ab 25 € (Classic), 30 € (Premium) und 37 € (Blending Experience). Dazu kommen die Jameson Distillery Bow St., Teeling, Roe & Co und Pearse Lyons – alle kostenpflichtig. Den vollständigen Vergleich mit Preisen, Öffnungszeiten und Tourformaten liefert der Ratgeber zu Guinness & Whiskey.

Irish Coffee – heißer Kaffee, Irish Whiskey, brauner Zucker und eine Schicht leicht geschlagene Sahne obenauf – wurde nicht in Dublin erfunden, sondern im Winter 1943 von Chefkoch Joe Sheridan am Flughafen Foynes in der Grafschaft Limerick, damals transatlantischer Wasserflugzeug-Hub, für durchgefrorene Passagiere eines umgekehrten Fluges. Als Foynes im Oktober 1945 schloss, zog Sheridan mit der Catering-Crew zum neuen Flughafen Shannon; 1951 brachte der US-Reisejournalist Stan Delaplane das Getränk in die USA. Wer Geschichte und Zubereitung an einem Ort lernen will: Das Irish Whiskey Museum bietet eine Irish Coffee Masterclass für 22 € (45 Minuten, ein Irish Coffee inklusive) an.

Colcannon und Soda Bread – die Geschichten dahinter

Manche Klassiker isst man weniger wegen des Geschmacks als wegen ihrer Geschichte. Colcannon – gestampfte Kartoffeln mit Kohl oder Grünkohl, der Name kommt vom gälischen „cal ceannann”, also weißköpfiger Kohl – wurde erstmals am 31. Oktober 1735, einem Halloween, im Tagebuch des walisischen Politikers William Bulkeley während eines Dublin-Besuchs schriftlich erwähnt. Traditionell ist das Gericht mit Halloween und Samhain verbunden, samt Heirats-Wahrsagerei: Eingebackene Münze, Ring oder Stock galten als Vorzeichen. Im 18. Jahrhundert war Colcannon irlandweit verbreitet, nicht nur in Dublin.

Soda Bread ist das charakteristische irische Brot – mit Natron statt Hefe gebacken, leicht säuerlich, dicht und krümelig. Es begleitet praktisch jedes der hier genannten Gerichte und gehört zu Chowder, Stew und Austern dazu.

Vegetarisch, Märkte und die moderne Szene

Wer die irische Küche fleischlos erleben will, ist bei Cornucopia an der Wicklow Street 19/20 (nahe der Grafton Street) richtig. Das familiengeführte Restaurant besteht seit 1986 und bietet pflanzliche Versionen klassischer Gerichte – etwa veganes Coddle und veganen Irish Stew mit irischem Wurzelgemüse. Geöffnet ist Mo–Mi 8:00–19:30 Uhr, Do–Sa 8:00–20:30 Uhr und So 9:00–19:30 Uhr (Stand Juni 2026).

Für eigene Vorräte und einen Blick ins Dubliner Alltagsleben lohnen die Märkte:

  • Moore Street (Northside) ist einer der ältesten Open-Air-Märkte der Stadt mit Wurzeln im 18. Jahrhundert. Offizielle Markttage sind Do–Sa von 11 bis 17 Uhr (saisonale Zeiten, Stand Frühjahr/Sommer 2026); klassisch sind frische Kartoffeln, Erdbeeren und Obst von rufenden Standlerinnen, daneben internationale Lebensmittelgeschäfte.
  • Temple Bar Food Market an der Meeting House Square (samstags) eignet sich gut für Picknick-Zutaten: Oliven, frisch gebackenes Brot, irische Käse und irischer Honig – eine sinnvolle Alternative zu den oft teureren Pub-Gerichten im Viertel.

Parallel interpretiert eine junge Köche-Generation die irische Küche neu. Chapter One unter Chef Mickael Viljanen (seit 2021, zwei Michelin-Sterne) verbindet nordische Sensibilität mit irischen Produkten; Variety Jones in The Liberties – geführt von den Brüdern Keelan und Aaron Higgs, 2026 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – setzt auf ein erfinderisches Sharing-Menü, das traditionelle Zutaten neu denkt. Wer also glaubt, irisches Essen sei nur deftig und rustikal, wird hier eines Besseren belehrt.

Häufige Fragen

Wo isst man in Dublin authentisch traditionell?+

Für Boxty ist Gallagher's Boxty House in der Temple Bar (20–21 Temple Bar) die bekannteste Adresse. Dublin Coddle gibt es bei The Gravediggers in Glasnevin und im Hairy Lemon, Irish Stew im Brazen Head und bei O'Neill's an der Suffolk Street. Vegetarische Versionen der Klassiker kocht Cornucopia an der Wicklow Street.

Welche Essen & Trinken in Dublin sind kostenlos?+

Die Märkte kosten keinen Eintritt – der Moore Street Markt (Do–Sa 11–17 Uhr, saisonale Zeiten) und der Temple Bar Food Market samstags am Meeting House Square. Auch Pubs und Restaurants verlangen keinen Eintritt, bezahlt werden nur Speisen und Getränke. Kostenpflichtig sind die Erlebnisse rund um Guinness und Whiskey, etwa das Guinness Storehouse ab 22 € und die Touren im Irish Whiskey Museum ab 25 €.

Was lohnt sich in Dublin rund ums Trinken am meisten?+

Das Guinness Storehouse am St. James's Gate ist Irlands meistbesuchte Attraktion – das Standardticket gibt es online ab 22 € inklusive Pint in der Gravity Bar. Wer Whiskey bevorzugt, startet im Irish Whiskey Museum an der Grafton Street mit Touren ab 25 €. Beide und weitere Brennereien vergleicht unser Ratgeber zu Guinness & Whiskey.

Was ist Dublin Coddle?+

Coddle ist ein Dubliner Schmorgericht aus Schweinswurst, dicken Speckscheiben, Kartoffeln und Zwiebeln, die langsam gegart werden. Es galt früher als Resteessen vor dem Pub-Besuch und ist bis heute eng mit der Stadt verbunden.

Wann haben irische Austern Saison?+

Die heimische Flachauster (Ostrea edulis) hat von September bis April Saison – die Monate mit „R". Pazifische Felsenaustern sind ganzjährig verfügbar. Der Höhepunkt ist das Galway International Oyster & Seafood Festival, 2026 vom 25. bis 27. September.

Wo wurde Irish Coffee erfunden?+

Nicht in Dublin, sondern 1943 am Flughafen Foynes in der Grafschaft Limerick. Chefkoch Joe Sheridan mixte ihn für durchgefrorene Flugpassagiere. In Dublin vermittelt die Irish Coffee Masterclass des Irish Whiskey Museum (22 €, 45 Minuten) Geschichte und Zubereitung.