Ashtown Castle ist eines der ältesten Gebäude im Phoenix Park – und eine echte Wiederentdeckung. Über Jahrhunderte steckte das mittelalterliche Tower House unbemerkt in einem georgianischen Herrenhaus, bis es Ende der 1980er Jahre beim geplanten Abriss freigelegt wurde. Heute steht es restauriert neben dem Phoenix Park Visitor Centre, und beides lässt sich kostenlos besichtigen.
Geschichte
Wann das Tower House gebaut wurde, ist nicht sicher belegt. Im frühen 17. Jahrhundert existierte es nachweislich, möglicherweise stammt es aus dem 15. Jahrhundert: Ein Statut Heinrichs VI. von 1429 bot eine Förderung von 10 Pfund für den Bau solcher Wehrtürme, was als möglicher Entstehungsanlass gilt. Die steinerne Fassung der Wendeltreppe deutet auf ein spätmittelalterliches Datum hin.
Genauer datieren ließ sich der Dachstuhl: Eine Jahrring-Analyse (Dendrochronologie) der verwendeten Eiche ergab, dass die Bäume in den frühen Jahren des 17. Jahrhunderts gefällt wurden – ein Hinweis auf eine Neudeckung oder einen Teilumbau in dieser Zeit.
1641 gehörte das Anwesen mit 200 Acres Land (Wert 100 Pfund) John Connell, „John of Ashtown“, einem entfernten Vorfahren des irischen Nationalhelden Daniel O’Connell. Im späten 18. Jahrhundert erweiterte man das Gebäude und integrierte das mittelalterliche Castle vollständig in einen Neubau namens Ashtown Lodge.
Nach der irischen Unabhängigkeit diente die Lodge ab 1922 als erste Residenz der US-Gesandtschaft im irischen Freistaat, ab 1929 als Residenz des Päpstlichen Nuntius. Als dieser 1978 auszog und das Gebäude abgerissen werden sollte, kam das verborgene Tower House zum Vorschein. Die Restaurierung begann im Herbst 1989 mit einer Strukturuntersuchung und der Entfernung des modernen Verputzes; Steinarbeiten, irische Eichenböden und das Dach übernahm das National Monuments Depot.
Architektur
Das vierstöckige Tower House gliedert sich in Erdgeschoss, erstes Obergeschoss, die „great chamber“ im zweiten und eine Galerie im dritten Geschoss. Eine enge Wendeltreppe erschließt die Stockwerke. Da kein gesichertes Vorbild für die Zinnen erhalten war, rekonstruierte man sie schlicht – ohne die Crenellation des 15. Jahrhunderts und ohne das geschwungene Parapet des 17. Jahrhunderts. Das Dach folgt den gefundenen Truss-Fragmenten, also den originalen Dachstuhlteilen.
Typisch mittelalterlich sind das unverputzte Bruchsteinmauerwerk aus Kalkstein, die kleinen Fenster mit gestuften Steinrahmen und die Wehrhaftigkeit der Anlage. Die enge Wendeltreppe macht das Innere allerdings nicht barrierefrei.
Visitor Centre & Walled Garden
Direkt neben dem Castle liegt das Phoenix Park Visitor Centre mit einer Ausstellung zur Geschichte des Parks. Es ist barrierefrei und verfügt über ein rollstuhlgerechtes WC, ein Familien-WC und ein Café. Von hier aus starten auch die Führungen ins Tower House.
Zum Gelände gehört der viktorianische Walled Kitchen Garden, ganzjährig täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr und ebenfalls kostenlos geöffnet. Am schönsten ist er im Sommerhalbjahr, wenn er in voller Blüte steht. Plane für Castle und Visitor Centre rund eine Stunde ein und verbinde den Besuch mit einem Gang durch den Garten – beides liegt direkt nebeneinander.
Besuch & Praktisches
Der Eintritt ist frei. Das Tower House lässt sich nur im Rahmen einer Führung betreten; die Touren starten am Visitor Centre, üblicherweise um 10:30, 12:00, 13:30, 15:00 und 16:30 Uhr, je nach Verfügbarkeit. Einzelbesucher können spontan kommen, Gruppen müssen vorab buchen (per E-Mail oder Telefon ans Visitor Centre). Eine Online-Buchung für Einzelpersonen gibt es nicht.
- Öffnungszeiten beachten: Von Januar bis Ende April ist montags und dienstags geschlossen. Letzter Einlass ist 17:00 Uhr, 45 Minuten vor Schluss.
- Beste Zeit: Sommerhalbjahr und werktags vormittags – dann blüht der Garten und es ist am ruhigsten.
- Anreise: Bus 99 ab Parkgate Street bis zum Visitor Centre, oder Luas Red Line bis Heuston Station und dort umsteigen.
Der Phoenix Park ist mit über 700 Hektar einer der größten innerstädtischen Parks Europas. In der Nähe liegen der Dublin Zoo, die Präsidentenresidenz Áras an Uachtaráin, das Wellington Monument und das Papal Cross; im Park lebt zudem eine frei umherziehende Damwild-Herde. Mehr zur Tagesplanung findest du im Guide Parks in Dublin und im Überblick Schlösser & Burgen.