Die Whitefriar Street Church an der Aungier Street ist eine aktive Karmeliterkirche mitten in Dublin und vor allem für zwei Reliquien bekannt: die Gebeine des Hl. Valentin und „Our Lady of Dublin“, die älteste erhaltene Marienstatue der Stadt. Der Eintritt ist frei, der Besuch in 20 bis 40 Minuten gut zu schaffen.
Geschichte und Architektur
Die Karmeliter waren in diesem Teil Dublins schon im Mittelalter ansässig, bis die Klosterauflösung im 16. Jahrhundert ihre Niederlassung beendete. Im 19. Jahrhundert kehrten sie zurück: Der Bau der heutigen Kirche begann 1825/26 nach Plänen von George Papworth (1781–1855), der auch die katholische Kathedrale der Stadt entwarf, die heutige St. Mary’s Cathedral. Geweiht wurde das Gotteshaus am 11. November 1827.
Von außen wirkt die Kirche unscheinbar, weil angrenzende Gebäude die Fassade zur Aungier Street weitgehend verdecken. Im Inneren öffnet sich dann ein erstaunlich großer, ruhiger Sakralraum mit mehreren Seitenschreinen – der eigentliche Grund für einen Besuch.
Der Schrein des Hl. Valentin
Die Valentin-Reliquien verdankt die Kirche dem Karmeliterpater John Spratt, einem in Dublin gefeierten Prediger und Wohltäter der Armen. 1835 reiste er nach Rom, wo Papst Gregor XVI. ihm die Gebeine des frühchristlichen Märtyrers schenkte. Die Reliquien wurden am 27. Dezember 1835 aus dem Hippolytus-Friedhof an der Via Tiburtina entnommen und trafen am 10. November 1836 in Dublin ein, wo Erzbischof Murray sie empfing.
Die lebensgroße Statue des Heiligen stammt von der Bildhauerin Irene Broe und zeigt ihn im roten Märtyrergewand mit einem Krokus in der Hand. Das Reliquiar mit den Gebeinen befindet sich unter dem zugehörigen Altar.
Rund um den 14. Februar wird die Kirche zum Wallfahrtsort für Paare. Das Reliquiar steht dann vor dem Hochaltar, und in den Sondermessen gibt es den „Blessing of the Rings“ – einen Segen für Verlobungs- und Eheringe. In den Vorjahren fanden die beiden Valentinsmessen um 11:30 und 15:00 Uhr statt, dazu am Vorabend die Segnung eines Verlobtenpaars; die genauen Termine für ein bestimmtes Jahr veröffentlicht die Kirche meist erst kurzfristig. Eine Anmeldung ist nicht ausgewiesen – es handelt sich um öffentliche Messen. Kerzen am Schrein kannst du das ganze Jahr über entzünden.
Our Lady of Dublin
Der zweite Schrein birgt „Our Lady of Dublin“, eine lebensgroße Eichenholzfigur der Maria mit dem Jesuskind aus dem frühen 16. Jahrhundert – die älteste erhaltene Marienstatue der Stadt. Dokumentiert ist sie erstmals 1749 in einer Kapelle in der St. Mary’s Lane. Nach deren Abriss 1816 geriet die weiß übertünchte Figur in den Handel, bis Father John Spratt sie 1824 in einem Geschäft in der Capel Street erwarb. 1914 wurde die Tünche entfernt, 1915 erhielt die Statue ihren heutigen Schrein. Der Festtag von Our Lady of Dublin wird am 8. September gefeiert.
Häufig hört man die Geschichte, die ausgehöhlte Rückseite habe nach der Reformation als Schweinetrog gedient. Belegt ist das nicht – es handelt sich um eine Volkssage. Fachlich gilt das Aushöhlen der Rückseite solcher Holzfiguren ohnehin als übliche Praxis, sodass der Trog-Mythos eher ins Reich der Legende gehört.
Besuch und Praktisches
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist für den normalen Besuch nicht nötig. Am ruhigsten ist es werktags vormittags außerhalb der Messzeiten; rund um den Valentinstag musst du dagegen mit großem Andrang rechnen. Für die beiden Hauptschreine reichen 20 bis 40 Minuten. Spenden sind über den Bereich „Donate“ der Website möglich, und es gibt einen Online-Shop sowie eine Live-Webcam aus der Kirche.
Die Kirche liegt sehr zentral: Bis zum St. Stephen’s Green sind es nur etwa fünf Gehminuten, dort hält auch die Luas Green Line. Die Buslinien 14, 15, 16, 27, 68, 83 und 122 halten an der Aungier Street. Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit den großen Sakralbauten der Innenstadt – St Patrick’s Cathedral und Christ Church Cathedral liegen in fußläufiger Nähe, ebenso die von demselben Architekten entworfene St. Mary’s Cathedral. Einen Überblick über weitere lohnende Kirchen findest du im Guide Kirchen in Dublin.