Auch wenn ein Friedhof selten oben auf der Liste steht: Glasnevin ist offiziell „Ireland’s National Cemetery” und der Ort, an dem du der irischen Geschichte so nah kommst wie kaum irgendwo sonst. Hier ruhen rund 1,5 Millionen Menschen, darunter fast alle großen Namen des Unabhängigkeitskampfes. Das Gelände selbst ist kostenlos zugänglich; Ausstellung, Audio-Guide und Führungen kosten Eintritt.
Irlands Nationalfriedhof
1832 als Friedhof gegründet, auf dem katholische wie protestantische Iren ohne Einschränkungen bestattet werden konnten, ist Glasnevin von ursprünglich 9 Acres auf heute rund 124 Acres (etwa 50 Hektar) gewachsen. Rund 1,5 Millionen Menschen sind hier begraben – mehr, als heute in Dublin leben. Etwa 800.000 davon liegen in anonymen Massengräbern aus der Zeit der Großen Hungersnot und der Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts; an sie erinnert kein einzelner Grabstein.
Glasnevin trägt offiziell den Titel „Ireland’s National Cemetery”. Ein UNESCO-Welterbe ist der Friedhof entgegen mancher Behauptung nicht.
Wer hier begraben liegt
Glasnevin ist eine Art Who’s who der irischen Geschichte. Wer das Land verstehen will, findet hier die Gräber der zentralen Figuren:
- Daniel O’Connell, der „große Befreier”, über dessen Krypta der markante Rundturm aufragt.
- Michael Collins, Anführer im Unabhängigkeitskrieg – sein Grab gehört bis heute zu den meistbesuchten.
- Charles Stewart Parnell, Vorkämpfer der Home-Rule-Bewegung.
- Constance Markiewicz, Revolutionärin und erste ins britische Unterhaus gewählte Frau.
- Arthur Griffith, Mitbegründer von Sinn Féin.
- Künstler und Stimmen wie der Dichter Brendan Behan, Maler und Autor Christy Brown und Luke Kelly von den Dubliners.
Viele Denkmäler stammen aus der Zeit der katholischen Emanzipation und der nationalistischen Bewegung und tragen patriotische Symbole: Hochkreuze, Kleeblätter, Harfen und Rundtürme. Ein Blick auf die Details der Steinmetzarbeiten lohnt sich – sie sind die heimliche Hauptattraktion des Friedhofs.
Der O’Connell Tower
Über der Krypta von Daniel O’Connell steht der O’Connell Tower, mit 198 Stufen und rund 55 Metern der höchste Rundturm Irlands. Den Aufstieg gibt es nur mit Ticket und in festen Zeitfenstern um 11:00 und 13:00 Uhr; der letzte Aufstieg ist um 16:30 Uhr. Oben öffnet sich ein weiter Rundblick über Dublin und das Umland – an klaren Tagen bis zu den Wicklow Mountains.
Das Climb-Ticket schließt den Eintritt in die Ausstellung „Experience Glasnevin” ein und beginnt bei 11 € für Erwachsene, 9 € für Kinder, Senioren und Studierende, 35 € für Familien.
Touren und Ausstellung
Das Besucherzentrum am Eingang beherbergt die Ausstellung „Experience Glasnevin”, einen Ticketschalter, den Geschenkshop und das Tower Café. Über den Genealogie-Service (Mittwoch bis Freitag 10:00–17:00 Uhr) lässt sich sogar Ahnenforschung betreiben.
Den meisten Mehrwert bietet eine geführte Tour. Die Guides erzählen die Geschichten hinter den Gräbern, statt nur Namen aufzuzählen:
- Irish History Tour: der Klassiker, ca. 90 Minuten, inklusive Ausstellung. 17 € (Erwachsene), 15 € (Konzession), 50 € (Familie); mit Turmaufstieg 22/20/60 €.
- Women in History Tour: rund 90 Minuten zu Persönlichkeiten wie Constance Markiewicz, Maud Gonne und Hanna Sheehy-Skeffington.
- Thematische Touren wie „Dead Interesting” oder die Bloomsday-Tour rund um James Joyce; um Halloween zusätzlich die Children’s Samhain Tour.
Gebucht wird online über dctrust.ie, alternativ per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter +353 (0)1 882 6570. Weitere Anregungen für geführte Erlebnisse in der Stadt gibt der Guide Touren.
Anfahrt und Praktisches
Der Friedhof liegt an der Finglas Road in Dublin 11 (D11 XA32), rund 3 km nördlich des Stadtzentrums.
- Bus: Mehrere Linien halten in der Nähe, etwa an Hart’s Corner und am Prospect Way. Details im Guide Nahverkehr.
- Parken: 30 Stellplätze, 2 € bei der Ausfahrt. Kostenloses Bus-Parken für Gruppen mit Voranmeldung.
- Barrierefreiheit: Das Besucherzentrum ist voll rollstuhlgerecht, ebenso die meisten Touren – Ausnahme ist O’Connells Krypta wegen der Stufen. Toiletten und Café liegen beim Besucherzentrum; für Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung gibt es ein kostenloses Ticket.
- Öffnungszeiten: Friedhof täglich 9:00–17:00 Uhr, Besucherzentrum und Café täglich 10:00–17:00 Uhr.
Wer nach dem Besuch ein Pint in passender Atmosphäre möchte, geht ins John Kavanagh am Prospect Square nahe dem alten Friedhofseingang. Die Lage direkt nebenan brachte dem Pub den Spitznamen „The Gravediggers” ein – hier holten sich die Totengräber früher ihr Feierabendpint. Geöffnet hat es Montag bis Donnerstag 10:30–23:30 Uhr, Freitag und Samstag 10:30–00:00 Uhr, Sonntag 12:30–23:00 Uhr; nur Barzahlung (Angaben aus Drittquellen, nicht offiziell bestätigt).
Glasnevin lässt sich gut mit den nahen Botanic Gardens verbinden, die direkt an den Friedhof grenzen. Wer einen historischen Schwerpunkt setzt, findet im Guide Geschichte Dublins die größeren Zusammenhänge, und der Überblick Kirchen in Dublin ordnet Glasnevin in die religiöse Geschichte der Stadt ein.