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Geschichte

James Joyce Tower – Museum in Sandycove

Der Martello-Turm in Sandycove ist Schauplatz der Ulysses-Eröffnung und heute ein ehrenamtliches Joyce-Museum. Eintritt frei, Di–So geöffnet.

James Joyce Tower – Museum in Sandycove
Inhalt

Der Martello-Turm in Sandycove ist einer der literarischsten Orte Irlands: Hier spielt die Eröffnungsszene von James Joyces Ulysses, und hier wohnte Joyce 1904 selbst sechs Nächte lang. Heute beherbergt der gedrungene Granitbau ein kleines, ehrenamtlich geführtes Museum mit persönlichen Gegenständen des Schriftstellers. Der Eintritt ist frei, der Aufstieg aufs Dach belohnt mit dem Blick über die Bucht von Dublin, den Joyce im Roman beschreibt.

Geschichte des Turms

Der Sandycove-Turm gehört zu einer Kette von Martello-Türmen, die ab 1804 entlang der irischen Küste zwischen Dublin und Bray errichtet wurden. Die britischen Behörden ließen die runden Festungstürme aus massivem Granit mit meterdicken Mauern als Frühwarnsystem gegen eine mögliche napoleonische Invasion bauen. Mit dem Ende der napoleonischen Bedrohung verloren sie rasch ihre militärische Bedeutung.

1954 erwarb der irische Architekt Michael Scott den Turm. Gemeinsam mit dem Regisseur John Huston und dem Dubliner Künstler John Ryan wandelte er ihn in ein Museum um. Die Eröffnung fand am 16. Juni 1962 statt – bewusst am Bloomsday, dem Tag, an dem die Handlung von Ulysses spielt. Ryan hatte bereits 1954 zusammen mit dem Schriftsteller Brian O’Nolan das erste Bloomsday-Festival organisiert.

Joyce im Turm

Vom 9. bis 14. September 1904 wohnte der 22-jährige James Joyce sechs Nächte lang im Turm. Sein Gastgeber war Oliver St. John Gogarty, ein Universitätsfreund, der den Turm vom War Office gemietet hatte. Joyce verließ den Turm nach einem nächtlichen Zwischenfall mit einem geladenen Revolver überstürzt. Genau dieser Morgen danach ist die Eröffnungsszene von Ulysses: Gogarty verewigte Joyce als „Buck Mulligan”, und mit den Worten „Stately, plump Buck Mulligan” beginnt der Roman.

Wer tiefer in Joyces Dublin eintauchen möchte, findet im James Joyce Cultural Centre in der Innenstadt eine ergänzende Anlaufstelle. Einen Überblick über die literarische Stadt gibt der Guide Schriftsteller in Dublin.

Die Ausstellung

Das Museum zeigt persönliche Gegenstände aus Joyces Nachlass: seine Gitarre, eine Weste und verschiedene Erstausgaben von Ulysses. Zu den Exponaten gehört auch ein „Plumtree’s Potted Meat”-Topf, der im Roman mehrfach erwähnt wird. Das Obergeschoss wurde mit Möbeln und Alltagsgegenständen so eingerichtet, wie Joyce und seine Freunde 1904 dort gelebt haben könnten. Ein keramischer schwarzer Panther am Kamin verweist auf eine Traumsequenz der Romanfigur Haines.

Vom Dach des Turms bietet sich ein Panoramablick über die Bucht von Dublin – dieselbe Aussicht, die Joyce in der Eröffnungsszene beschreibt, als Stephen Dedalus auf das „snotgreen sea” hinausblickt. Der Turm ist klein: Ausstellungsraum, eingerichtetes Obergeschoss und Aussichtsdach sind in rund 30 bis 45 Minuten gesehen.

Bloomsday und Veranstaltungen

Am 16. Juni, dem Bloomsday, verwandelt sich der Turm in einen Schauplatz literarischer Feierlichkeiten. Besucher in edwardianischer Kleidung versammeln sich am Morgen, an mehreren Orten wird aus Ulysses gelesen, das Programm ist kostenlos, eine Anmeldung aber meist erforderlich. An diesem Tag öffnet der Turm üblicherweise früher als sonst und ist entsprechend voll. Wer die Atmosphäre ohne Gedränge erleben will, kommt besser an einem normalen Wochentagvormittag.

Die Theatergruppe Volta führt regelmäßig Episoden aus Ulysses direkt im Turm auf, darunter die Eröffnungsepisode „Telemachus” und „Cyclops”. Aktuelle Termine und Buchungen stehen auf joycetower.ie.

Forty Foot

Direkt unterhalb des Turms liegt der Badefelsen „Forty Foot”. Ursprünglich ein Badeplatz ausschließlich für männliche Nacktbader, ist er heute für alle zugänglich und einer der beliebtesten Schwimmspots Dublins. Auch er kommt in Ulysses vor, wo Buck Mulligan zum morgendlichen Bad hinabsteigt. Für einen kurzen Spaziergang am Wasser lohnt sich der Abstecher fast unabhängig vom Museum.

Besuch und Anreise

Der Eintritt ist frei, das Museum wird ehrenamtlich betrieben und freut sich über Spenden. Einzelbesucher müssen nicht reservieren – Walk-ins sind ausdrücklich willkommen. Nur Gruppen ab 15 Personen sollten vorab über die offizielle Website buchen.

  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00–16:00 Uhr, montags geschlossen. Am Bloomsday gilt ein Sonderprogramm.
  • Barrierefreiheit: Der Turm ist nicht rollstuhlgerecht; die Treppen ins Obergeschoss und aufs Dach sind eng und steil.
  • Anreise: DART bis Sandycove und Glasthule, von dort rund 10 Minuten zu Fuß; alternativ die Busse 59 oder 111. Der Turm liegt etwa 14 km südlich des Stadtzentrums.
  • Tipp: Die Fahrt mit der DART entlang der Bucht ist selbst ein Erlebnis und lässt sich gut mit dem benachbarten Badeort Dún Laoghaire verbinden.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt in den James Joyce Tower?+

Der Eintritt ist frei. Das Museum wird ehrenamtlich betrieben, Spenden sind willkommen. Einzelbesucher müssen nicht reservieren, Walk-ins sind erwünscht.

Wann hat der James Joyce Tower geöffnet?+

Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 16:00 Uhr, montags geschlossen. Am Bloomsday (16. Juni) gibt es ein Sonderprogramm, der Turm öffnet dann oft früher. Stand 2026, vor dem Besuch prüfen.

Muss ich für den James Joyce Tower vorab buchen?+

Nein. Für Einzelbesucher gilt freier Walk-in-Zugang ohne Reservierung. Nur Gruppen ab 15 Personen müssen vorab über joycetower.ie buchen.

Wie komme ich nach Sandycove zum James Joyce Tower?+

Am einfachsten mit der DART bis Sandycove und Glasthule, von dort rund 10 Minuten zu Fuß. Alternativ die Busse 59 oder 111. Der Turm liegt etwa 14 km südlich des Stadtzentrums.

Ist der James Joyce Tower barrierefrei?+

Nein. Der Turm ist nicht rollstuhlgerecht. Der Aufstieg zur Ausstellung, zum eingerichteten Wohnraum und zur Aussichtsplattform führt über enge, steile Treppen.