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Literarisches Dublin – auf den Spuren der Schriftsteller

Joyce, Wilde, Swift, Beckett – Dublins literarisches Erbe zum Anfassen. Museen, Schauplätze und Touren mit aktuellen Preisen und Öffnungszeiten.

Historisches Schwarzweiss-Portraet des in Dublin geborenen Schriftstellers Oscar Wilde von 1889.
Inhalt

Kaum eine Stadt ihrer Größe hat so viel Weltliteratur hervorgebracht wie Dublin. Vier irische Literaturnobelpreisträger, dazu Jonathan Swift, Oscar Wilde und James Joyce – die Liste liest sich wie ein Kanon der englischsprachigen Moderne. Das Schöne für Besucher: Vieles davon ist heute begehbar. Museen, Wohnhäuser, Pubs und Grabstätten liegen dicht beieinander, oft nur ein paar Gehminuten auseinander. Dieser Ratgeber führt zu den wichtigsten Orten und nennt, was sie kosten und wann sie geöffnet haben.

Die literarischen Museen Dublins

Das wichtigste Haus ist das MoLI – Museum of Literature Ireland an der Südwestecke des St Stephen’s Green. Es ist im Newman House untergebracht, dem früheren Sitz der katholischen University College Dublin, wo James Joyce um die Jahrhundertwende studierte und 1902 seinen Abschluss machte. Zu den Höhepunkten der Sammlung zählt die „Copy No. 1” des Ulysses – das allererste gedruckte Exemplar von Joyces Hauptwerk.

Praktisch gut zu wissen: Das MoLI hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist 16 Uhr; geschlossen ist es am 17. März sowie vom 24. bis 26. Dezember und am 1. Januar. Der allgemeine Eintritt beginnt bei 12 Euro, eine geführte MoLI- oder Historic-House-Tour kostet jeweils 18 Euro. Wer flexibel ist, kommt am ersten Freitag jedes Monats: Dann ist der Eintritt während der Abendöffnung von 18 bis 21 Uhr frei. Die Adresse lautet 86 St Stephen’s Green, Dublin 2; vom Luas-Halt St Stephen’s Green sind es nur wenige Schritte.

Das zweite Schwergewicht ist das James Joyce Centre in einem restaurierten georgianischen Stadthaus in der 35 North Great George’s Street nördlich der Liffey. Sein berühmtestes Exponat ist die originale Haustür von No. 7 Eccles Street, Leopold Blooms fiktiver Adresse im Ulysses. Es handelt sich nicht um eine Nachbildung, sondern um die echte Tür: Das Haus selbst wurde im April 1967 abgerissen – heute steht dort das Mater Private Hospital –, die Tür kam 1995 als Leihgabe ins Centre. Das James Joyce Centre ist von Dienstag bis Samstag von 10:30 bis 16:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7 Euro für Erwachsene und 5 Euro ermäßigt für Senioren und Studenten; Kinder unter zwölf Jahren sind frei.

Jonathan Swift und die St Patrick’s Cathedral

Jonathan Swift (1667–1745), Autor von „Gullivers Reisen”, war von 1713 bis 1745 Dekan der St Patrick’s Cathedral. 1729 veröffentlichte er mit „A Modest Proposal” eine der bösartigsten Satiren der Literaturgeschichte – einen scheinbar nüchternen Vorschlag, die Kinder armer Iren als Festtagsbraten an die Reichen zu verkaufen, eine beißende Abrechnung mit der sozialen Not seiner Zeit.

Swift ist in der Kathedrale begraben, und sein Grab im Innenraum lässt sich mit dem normalen Eintrittsticket besichtigen – einen gesonderten Zugang braucht es nicht. Die Kathedrale ist montags bis freitags von 9:30 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr und sonntags von 9 bis 13 Uhr sowie von 16:30 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 11,50 Euro für Erwachsene, 10 Euro für Studenten und Senioren ab 60, 5,50 Euro für Kinder von 6 bis 12 Jahren; unter fünf Jahren ist frei, eine Familienkarte kostet 31 Euro. Wer auch die benachbarte Marsh’s Library sehen will, fährt mit dem Kombiticket für 17 Euro günstiger.

Oscar Wilde und der Merrion Square

Am georgianischen Merrion Square wuchs Oscar Wilde (1854–1900) im Haus No. 1 auf. In der nordwestlichen Ecke des öffentlichen Parks liegt heute die farbenfrohe Wilde-Skulptur von Danny Osborne, 1997 von Wildes Enkel Merlin Holland enthüllt und von der Guinness Ireland Group in Auftrag gegeben. Die Figur ist ein kleines Kuriosum aus Steinen dreier Kontinente: Wilde liegt auf einem Quarzfelsen aus den Wicklow Mountains, sein Torso besteht aus grünem Nephrit-Jade und rosa Thulit, die Beine aus norwegischem Blue-Pearl-Granit, die Schuhe aus indischem Charnockit. Die beiden flankierenden Bronzefiguren – eine schwangere Constance Lloyd und ein Dionysos – wurden 2016 nach einer Restaurierung auf ihre Sockel zurückgesetzt.

Der Besuch kostet nichts: Merrion Square Park ist öffentlich und frei zugänglich. Er öffnet ganzjährig um 10 Uhr, die Schließzeiten wechseln mit der Jahreszeit – im Dezember und Januar um 17 Uhr, im Hochsommer erst um 22 Uhr. Die Statue ist während der gesamten Parköffnung frei zu sehen, mit Blick hinüber zu Wildes Elternhaus.

Joyce, Bloomsday und die Schauplätze des Ulysses

James Joyce (1882–1941) verbrachte den größten Teil seines Lebens im Exil in Triest, Zürich und Paris – und schrieb doch fast ausschließlich über Dublin. „Dubliners”, „A Portrait of the Artist as a Young Man”, „Ulysses” und „Finnegans Wake” machen die Stadt zur literarischen Bühne, deren reale Orte sich bis heute ablaufen lassen.

Der populärste Anlass dafür ist Bloomsday am 16. Juni, dem Tag, an dem der gesamte Ulysses spielt. Aus dem einen Tag ist längst ein mehrtägiges Festival geworden: 2026 läuft es vom 11. bis 16. Juni mit über 100 Veranstaltungen quer durch die Stadt – Lesungen, Aufführungen, Walking Tours, Konzerte, Vorträge und viele Besucher in edwardianischen Kostümen, die das klassische Bloomsday-Frühstück nachstellen. Zu den zentralen Schauplätzen gehören der Martello Tower in Sandycove (heute James Joyce Tower & Museum), Davy Byrne’s Pub in der Duke Street und das James Joyce Centre. Wer mehr zum Turm selbst wissen will, findet Details beim James Joyce Tower. Eine kleine Fußnote am Rande: Die gerettete Original-Tür von No. 7 Eccles Street existiert tatsächlich doppelt verbürgt – jene im James Joyce Centre ist die echte; eine weitere Tür desselben Hauses baute der Verleger John Ryan einst in seinen Pub The Bailey in der Duke Street ein.

Vier Nobelpreisträger – und ihre Stadt

Irland stellt mit nur einer Handvoll Millionen Einwohnern vier Literaturnobelpreisträger: William Butler Yeats (1923), George Bernard Shaw (1925), Samuel Beckett (1969) und Seamus Heaney (1995). Drei davon haben einen festen Dublin-Bezug. Yeats wohnte zeitweise am Merrion Square und gehörte zu den Mitbegründern des Abbey Theatre. Shaw stammte aus der Synge Street und blieb der einzige Mensch, der sowohl den Literaturnobelpreis als auch einen Oscar gewann – 1938 für das Drehbuch zu „Pygmalion”. Beckett wuchs im südlichen Vorort Foxrock auf, bevor er nach Paris ging; mit ihm beginnt traditionell auch der literarische Pub Crawl, mit einer Szene aus „Warten auf Godot”.

Joyce selbst, oft als größter von allen genannt, gehört zu den prominenten Nicht-Preisträgern – ein gern erzähltes Detail, das zeigt, wie dicht das literarische Feld in dieser Stadt ist. Wer sich an der Person abarbeiten will, geht klassisch-historisch vor; jüngere Dubliner Stimmen wie Maeve Binchy, Anne Enright, Colm Tóibín oder Sally Rooney runden das Bild bis in die Gegenwart ab.

Sean O’Casey, Flann O’Brien und der Witz der Stadt

Zwei Dubliner Autoren stehen für die ironische, oft politische Seite der irischen Literatur. Sean O’Casey (geboren als John Casey in der Upper Dorset Street) wurde im März 1914 Generalsekretär der Irish Citizen Army, trat aber schon im Juli desselben Jahres wieder zurück, weil er das Bündnis mit den Irish Volunteers ablehnte. Am Osteraufstand 1916 war er nicht beteiligt. Seine Dramen wie „Juno und der Pfau” zeichnen starke Frauenfiguren, die sich gegen Armut und politische Wirren behaupten.

Flann O’Brien, alias Brian O’Nolan, alias Myles na gCopaleen (1911–1966), schrieb auf Englisch und Irisch und gilt als Meister des absurden Humors. Ihm wird die viel zitierte Pointe zugeschrieben, addiere man all jene Iren, die später behaupteten, am Ostermontag 1916 im General Post Office gewesen zu sein, müsse das Gebäude weit über eine Million Menschen gefasst haben. Sein Roman „At Swim-Two-Birds” erschien am 13. März 1939 und verkaufte sich zunächst kaum – nur rund 240 Exemplare, der Restbestand wurde 1940 bei einem Luftangriff vernichtet. Erst die Neuauflage 1960 brachte den Durchbruch. Ein klassischer Bestseller wurde das Buch nie, wohl aber ein Kultroman und ein Klassiker der Metafiction, der heute auf den einschlägigen Kanonlisten der besten englischsprachigen Romane steht.

Auf eigene Faust oder geführt – der Literary Pub Crawl

Wer das literarische Dublin nicht allein ablaufen will, ist beim Dublin Literary Pub Crawl gut aufgehoben. Zwei professionelle Schauspieler tragen unterwegs aus den Werken von Joyce, Behan, Wilde und Beckett vor und führen die Gruppe durch vier Pubs. Treffpunkt ist das obere Stockwerk des The Duke in der 9 Duke Street.

  • Startzeit: 19:15 Uhr – von April bis Oktober täglich, von November bis 31. März donnerstags bis sonntags; ganzjährig zusätzlich sonntags um 12 Uhr.
  • Dauer und Umfang: rund 2 Stunden 20 Minuten, vier Pubs.
  • Preis: ab 23 Euro.

Wer das Programm lieber selbst zusammenstellt, kombiniert MoLI, James Joyce Centre und den Merrion Square zu einem literarischen Tag und beginnt oder endet in der nahen Temple Bar. Eine Übersicht über weitere geführte Stadtrundgänge bietet unser Ratgeber zu Touren und Ausflügen.

Häufige Fragen

Wann ist Bloomsday in Dublin?+

Bloomsday wird jedes Jahr am 16. Juni gefeiert, dem Tag, an dem Joyces Ulysses spielt. 2026 läuft drumherum vom 11. bis 16. Juni ein mehrtägiges Festival mit über 100 Veranstaltungen – Lesungen, Walking Tours, Konzerten und edwardianischen Kostümen. Schauplätze sind unter anderem der Martello Tower in Sandycove, Davy Byrne's Pub und das James Joyce Centre.

Was kostet der Eintritt ins MoLI?+

Der allgemeine Eintritt ins Museum of Literature Ireland beginnt bei 12 Euro, geführte Touren kosten 18 Euro. Am ersten Freitag jedes Monats ist der Eintritt während der Abendöffnung von 18 bis 21 Uhr frei.

Wo ist Jonathan Swift begraben?+

Jonathan Swift war von 1713 bis 1745 Dekan der St Patrick's Cathedral und ist dort im Innenraum begraben. Sein Grab lässt sich mit dem normalen Eintrittsticket besichtigen, einen Sonderzugang gibt es nicht.

Wie viele irische Autoren haben den Literaturnobelpreis gewonnen?+

Genau vier – William Butler Yeats (1923), George Bernard Shaw (1925), Samuel Beckett (1969) und Seamus Heaney (1995). James Joyce, Dublins wohl berühmtester Autor, gehört nicht dazu.