Der rote Leuchtturm in der Dublin Bay
Der knallrote Poolbeg Lighthouse steht am äußersten Ende der Great South Wall, einer Steinmauer, die weit in die Mündung der Dublin Bay hinausreicht. Wer hierher läuft, lässt die Stadt buchstäblich hinter sich und steht am Ende mitten im Wasser, umgeben von offener See. Der Rundumblick reicht von der Küste über die Bucht bis zu den Bergen im Hintergrund – das macht den Weg zu einem der lohnendsten Spaziergänge, den Dublin ohne Eintritt und ohne Anmeldung zu bieten hat.
Das Gebiet gehört zum Dublin Bay Biosphere, einem von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservat. Schon entlang der Mauer sieht man regelmäßig Seevögel wie Kormorane, Reiher und Möwen, mit etwas Glück tauchen draußen in der Bucht auch Robben oder Delfine auf. Der Leuchtturm selbst ist also nur das Ziel – der eigentliche Reiz liegt im Weg dorthin und in der Lage am Wasser.
Die Wanderung über die Great South Wall
Der klassische Einstieg liegt am Ende der Pigeon House Road. Von dort sind es rund 1,7 Kilometer je Richtung über die Mauerkrone bis zum Leuchtturm, also etwa 3,4 Kilometer hin und zurück. Die reine Gehzeit beträgt etwa 40 Minuten; mit Fotostopps und der Pause am Turm sollte man realistisch rund 1 bis 1,5 Stunden einplanen. Die Strecke ist flach, aber der Belag verlangt Aufmerksamkeit.
Der erste Abschnitt ab dem Parkplatz ist eben und gut begehbar, also auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl machbar. Weiter draußen wird der Granit- und Steinbelag rauer und uneben – feste Schuhe sind hier sinnvoll, bei Nässe sogar wichtig, weil die Steine dann rutschig werden. Hunde sind erlaubt, sollten aus Sicherheitsgründen aber an der Leine bleiben, denn die Mauer fällt zu beiden Seiten direkt ins Wasser ab.
Ein wichtiger Hinweis vorweg: Die Mauer ist stark windexponiert. Bei Sturm, kräftigem Wind oder hohem Wellengang schlägt Wasser über die Krone, und der Weg wird dann gefährlich. Wer bei solchen Bedingungen anreist, sollte die Mauer meiden und sich auf den geschützteren Strandabschnitt beschränken. Ein kurzer Blick auf die Wettervorhersage vor der Fahrt gehört deshalb dazu.
Die lange Variante ab Sandymount Strand
Wer mehr aus dem Ausflug machen will, startet nicht am Parkplatz, sondern am Sandymount Strand. Diese Runde kommt auf rund 10 Kilometer und dauert etwa zwei Stunden, bleibt dabei aber durchgehend flach. Sie führt vom Strand um den Irishtown Nature Park herum, an Ringsend vorbei und dann erst auf die Mauer zum Leuchtturm – ideal, wenn man Strand, Naturpark und Vogelbeobachtung mit dem Leuchtturm verbinden möchte.
Der Irishtown Nature Park ist dabei mehr als nur ein Zwischenstück. Das renaturierte Gebiet war früher eine Deponie und ist heute eine Fläche aus Wiesen und Gebüsch, in der sich Lerchen, Hänflinge, Steinschmätzer, Reiher und im Winter Ringelgänse aufhalten. Er liegt direkt am Zuweg zur Great South Wall und lässt sich gut in die längere Runde einbauen, ohne dass man Umwege in Kauf nimmt.
Für diese Variante spricht auch die Anbindung: Der Sandymount Strand ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, sodass man Hin- und Rückweg nicht am selben Parkplatz beginnen und enden lassen muss.
Anfahrt und Parken
Mit dem Auto fährt man bis ans Ende der Pigeon House Road, wo es einen kostenlosen Parkplatz gibt. Ein zweiter, ebenfalls kostenloser Parkplatz (Shelley Banks) liegt etwa 650 Meter zurück. Beide Plätze sind klein und am Wochenende schnell voll – wer sicher gehen will, kommt früh oder weicht auf die Anreise mit Bus und Bahn aus.
Ohne Auto führt der bequemste Weg über Sandymount. Die DART-Station Sandymount liegt unter 15 Gehminuten vom Strand entfernt, und Bus 47 hält direkt am Sandymount Strand; von dort läuft man durch Irishtown an Ringsend vorbei auf die Mauer. Als reguläre Stadtbuslinie bedient außerdem die Linie 1 (Sandymount – O’Connell Street – Santry) sowohl Sandymount als auch Ringsend und bringt einen am nächsten an den Ausgangspunkt. Wie das Ticketsystem in Dublin funktioniert, steht im Ratgeber zum Nahverkehr und zur Leap Card.
Einkehr und Verpflegung
Auf der Mauer selbst gibt es weder Geschäfte noch Cafés oder Toiletten – darauf sollte man sich einstellen und Getränke besser mitnehmen. Öffentliche Toiletten finden sich am Parkplatz beim Martello-Turm am Sandymount Strand.
Für eine kleine Stärkung unterwegs steht an Wochenenden direkt an der Mauer der Kaffeewagen Mr Hobbs Coffee mit Barista-Kaffee und heißer Schokolade. Am Sandymount Strand gibt es zusätzlich einen Scoop-Eisstand. Wer eine richtige Mahlzeit sucht, wird Richtung Sandymount und Ringsend fündig – unter anderem mit dem Strand Fare Deli, der Bäckerei Bread 41 und der Burger-Adresse BuJo. Diese Lokale liegen außerhalb der eigentlichen Mauer und passen gut als Abschluss der längeren Strandvariante.
Beste Jahreszeit und Tierbeobachtung
Die Mauer ist ganzjährig zugänglich, doch nicht jede Saison ist gleich. Für die Vogelbeobachtung sind Herbst bis Frühjahr am ergiebigsten: Dann überwintern hellbäuchige Ringelgänse im Gebiet rund um Irishtown, Merrion und Sandymount, dazu halten sich international bedeutende Zahlen an Wat- und Wasservögeln in der Bucht auf. Wer Vögel sehen will, sollte also außerhalb des Hochsommers kommen.
Als besonders lohnende Tageszeit gilt der Sonnenuntergang, wenn das Licht über der Bucht und der roten Turmspitze besonders schön ist. Da es auf der Mauer keine Beleuchtung gibt, plant man den Rückweg aber so, dass man nicht im Dunkeln über den unebenen Belag tappt.
Innentouren und praktische Infos
Das Innere des Leuchtturms ist nicht frei zugänglich. Wer hineinmöchte, ist auf geführte Touren angewiesen, die die Dublin Port Company organisiert; geleitet werden sie von Heritage Director Lar Joye. Die Touren beschränken sich nicht auf das Open House Dublin im September – Dublin Port fährt 2026 von April bis Oktober ein Kulturprogramm mit über 100 Veranstaltungen, und der Leuchtturm ist Teil davon. Programm und Anmeldung laufen über dublinport.ie/explore.
Wer eine Innentour bucht, sollte wissen, dass der Aufstieg über mehrere enge, steile Treppen führt; festes Schuhwerk ist nötig, Schutzhelm und Warnweste werden gestellt. Für Personen mit eingeschränkter Mobilität ist der Turm dadurch nicht geeignet. Eine offizielle, dauerhaft buchbare Preisangabe für 2026 ließ sich nicht eindeutig belegen – Open-House-Programmpunkte sind häufig kostenlos, den aktuellen Stand prüft man am besten direkt beim Veranstalter.
Erste Anlaufstelle für allgemeine Besucherinfos ist Visit Dublin (visitdublin.com); für die Lighthouse-Innentouren ist die Dublin Port Company (dublinport.ie/explore) zuständig. Wer den Ausflug mit weiteren Zielen in der Bucht verbinden will, findet Anregungen in unserem Überblick zu den Parks und Grünflächen Dublins.