Die Hugh Lane Gallery im georgianischen Charlemont House zählt zu den schönsten Kunstmuseen Dublins: französische Impressionisten, irische Moderne und das originalgetreu rekonstruierte Londoner Atelier von Francis Bacon. Der Eintritt in die ständige Sammlung ist im Normalbetrieb kostenlos. Wichtig für deine Planung: Das Haus ist derzeit wegen einer mehrjährigen Renovierung komplett geschlossen.
Wichtig: Schließung wegen Renovierung
Die Galerie ist seit Sonntag, dem 28. September 2025, für die Öffentlichkeit geschlossen. Saniert wird der ursprüngliche Galerieflügel aus den 1930er-Jahren, um ihn auf zeitgemäße Standards für Sicherheit und Klimakontrolle zu bringen. Die Arbeiten sind Teil eines größeren Projekts, das am Parnell Square ein Kulturquartier schaffen soll – inklusive einer geplanten direkten Verbindung zur neuen Dublin City Library.
- Die Galerie rechnet mit einer Schließung von mindestens drei Jahren. Eine früheste Wiedereröffnung liegt damit um 2028; ein genaues Datum ist offiziell nicht bekannt.
- Reisende sollten den Besuch derzeit nicht fest einplanen und vor einer eventuellen Anreise hughlane.ie prüfen, da sich der Zeitrahmen verschieben kann.
- Francis Bacons rekonstruiertes Atelier bleibt während der gesamten Bauzeit im Charlemont House und wird durchgehend geschützt – während der Schließung ist es aber nicht zu besichtigen.
Wo du die Sammlung trotzdem siehst
Auch während der Bauphase verschwindet die Sammlung nicht völlig aus der Stadt. Mehrere Werke sind als Leihgabe an anderen Orten zu sehen:
- Wichtige Werke gehen an die National Gallery of Ireland – die naheliegendste Alternative für ein Kunstmuseum mit freiem Eintritt.
- Bestehende Leihgaben befinden sich beim Office of Public Works in Dublin Castle, im Farmleigh House und im Kilmainham Gaol Museum.
- Die übrige Sammlung lagert in musealen Depots.
- Das Bildungs- und Outreach-Programm (Explore & Learn) läuft stadtweit weiter; konkrete Termine stehen im „What’s On”-Kalender auf hughlane.ie. Der Bookshop ist online über hlgallerybooks.com erreichbar.
Auch das Chester Beatty im Dublin Castle ist 2026 zeitweise geschlossen – beim Planen von Museumstagen lohnt der Blick in den Überblick Museen in Dublin.
Geschichte und Architektur
Sir Hugh Lane (1875–1915), irischer Kunsthändler und Sammler, gründete die Galerie am 20. Januar 1908 als Municipal Gallery of Modern Art – das weltweit erste öffentliche Museum für moderne Kunst. Zunächst im Clonmell House an der Harcourt Street untergebracht, bezog die Sammlung 1933 ihren heutigen Standort im Charlemont House am Parnell Square.
Das georgianische Stadthaus entwarf 1763 der neoklassizistische Architekt Sir William Chambers für James Caulfield, den 1. Earl of Charlemont. Es gilt als eines der schönsten Stadthäuser Dublins und bewahrt zahlreiche originale Details: kunstvolle Stuckdecken, einen Marmorkamin von Pietro Bossi und die originale schmiedeeiserne Treppenbalustrade. 1933 erweiterte Stadtarchitekt Horace T. O’Rourke das Haus um Galerieräume im Garten; eine weitere Erweiterung von Gilroy McMahon Architects öffnete 2006 nach zweijähriger Bauzeit.
Die Sammlung
Französische Impressionisten
Herzstück sind 39 Gemälde französischer Meister des 19. Jahrhunderts – darunter Werke von Édouard Manet, Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet, Camille Pissarro und Berthe Morisot. Sie gehören zum Lane Bequest, einer Schenkung mit komplizierter Geschichte: Hugh Lane vermachte die Werke ursprünglich der National Gallery in London, änderte aber kurz vor seinem Tod 1915 – er kam beim Untergang der RMS Lusitania ums Leben – seinen letzten Willen. Da das Kodizil nicht beglaubigt war, entbrannte ein jahrzehntelanger Streit zwischen Dublin und London. Seit 1959 teilen sich beide Städte die Sammlung; gemäß der Partnerschaftsvereinbarung von 2021 rotieren Werke weiterhin zwischen der National Gallery London und Dublin.
Irische Kunst und Harry Clarkes Glaskunst
Neben den Impressionisten umfasst die Sammlung bedeutende irische Künstler wie Roderic O’Conor und Jack B. Yeats sowie eine der wichtigsten öffentlichen Sammlungen des irisch-amerikanischen Malers Sean Scully. Im Stained Glass Room beeindruckt das monumentale Buntglasfenster „The Eve of St Agnes” von Harry Clarke (1889–1931). Das 1924 fertiggestellte Werk zeigt in 14 Szenen John Keats’ gleichnamiges Gedicht; Clarke arbeitete mit doppelschichtigem Glas, wiederholter Säureätzung und feinsten, mit der Nadel eingekratzten Details. Die Galerie erwarb das Fenster 1978.
Francis Bacons Atelier
Ein weiteres Highlight ist das vollständig rekonstruierte Londoner Atelier des in Dublin geborenen Malers Francis Bacon (1909–1992), der von 1961 bis zu seinem Tod in 7 Reece Mews in South Kensington arbeitete. 1998 sicherte Direktorin Barbara Dawson die Schenkung des gesamten Studios durch Bacons Erben John Edwards und den Nachlassverwalter Brian Clarke. Ein Team aus Archäologen, Konservatoren und Kuratoren dokumentierte und verpackte über 7.000 Objekte – Bücher, Fotografien, zerschnittene Leinwände, Künstlermaterialien und sogar den Staub. Wände, Türen, Boden und Decke wurden ebenfalls demontiert und im Mai 2001 originalgetreu wieder aufgebaut. Das Atelier verbleibt während der Schließung im Haus, ist aber bis zur Wiedereröffnung nicht zu sehen.
Anfahrt und Praktisches
Das Charlemont House liegt am Parnell Square North am Nordende der O’Connell Street.
- Luas: Green Line, Haltestelle Parnell bzw. O’Connell Street Upper, rund 6 Minuten Fußweg. Mehr dazu im Guide Nahverkehr.
- Bus: viele Linien halten am Parnell Square und an der O’Connell Street.
- DART: ab Connolly Station etwa 23 Minuten zu Fuß.
- Dublinbikes: Station Parnell Square North direkt am Haus.
- Barrierefreiheit: Das Charlemont House ist im Normalbetrieb rollstuhlgerecht – barrierefreier Zugang, Aufzüge zwischen den Ebenen sowie barrierefreie Toiletten im Erd- und Untergeschoss.
Sobald die Galerie wieder öffnet, lässt sie sich gut mit weiteren Zielen im Norden der Innenstadt verbinden. Anregungen für die Tagesplanung gibt der Überblick Sehenswürdigkeiten und der Guide Kunst & Kultur.