Das Chester Beatty zählt zu den bedeutendsten Museen für Handschriften, seltene Bücher und religiöse Kunst weltweit – und liegt mitten im Dublin Castle. Vom ältesten erhaltenen Liebesgedicht bis zu frühen Koranhandschriften spannt die Sammlung einen Bogen über 4.500 Jahre Menschheitsgeschichte. Der Eintritt ist frei, das Haus wurde 2002 zum Europäischen Museum des Jahres gewählt.
Wichtig: Schließung 2026
Vom 15. Juni bis Ende Dezember 2026 bleibt das Chester Beatty für die Öffentlichkeit geschlossen. Grund ist die irische EU-Ratspräsidentschaft, für die das gesamte Dublin Castle als Tagungsort genutzt wird. Die Wiedereröffnung ist für Januar 2027 vorgesehen.
- Reisende, die im zweiten Halbjahr 2026 in Dublin sind, sollten den Besuch fest einplanen oder eine Alternative wählen.
- Vor der Anreise lohnt der Blick auf chesterbeatty.ie, da sich der Zeitrahmen verschieben kann.
- Als Ersatz für ein Kunstmuseum mit freiem Eintritt bietet sich die Hugh Lane Gallery an – allerdings ist auch sie wegen Renovierung geschlossen; geöffnet bleibt etwa das National Gallery of Ireland.
Die Sammlung
Die Bestände gliedern sich in drei Hauptbereiche: die westliche, die islamische und die ostasiatische Sammlung. Alle drei umfassen Handschriften, Drucke, Miniaturen, Kunstgegenstände und seltene Bücher.
Zu den Höhepunkten zählen die Chester Beatty Love Poems (ca. 1160 v. Chr.), eines der ältesten erhaltenen Liebesgedichte der Welt, sowie ägyptische Totenbücher aus verschiedenen Epochen. Die biblischen Chester-Beatty-Papyri aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. gehören zu den ältesten erhaltenen Textzeugen des Neuen Testaments – ihr Fund wurde 1931 als bedeutendste Entdeckung biblischer Handschriften seit dem Codex Sinaiticus gefeiert.
Die islamische Sammlung umfasst über 6.000 Einzelobjekte und gilt als eine der bedeutendsten außerhalb des Nahen Ostens. Darunter befinden sich mehr als 260 Koranhandschriften, einige aus dem frühen 8. Jahrhundert – kaum ein Jahrhundert nach dem Tod des Propheten Mohammed. Besonders hervorzuheben ist der Ibn-al-Bawwab-Koran aus dem Jahr 1000 n. Chr., ein Meisterwerk islamischer Kalligraphie.
Die ostasiatische Abteilung zeigt chinesische Jadebücher, japanische Bildrollen und Netsuke – kunstvoll geschnitzte Miniaturskulpturen, die im Japan der Edo-Zeit (1603–1868) als modische Gürtelknöpfe dienten, um Inrō (kleine Behälter für persönliche Gegenstände) zu befestigen. Die Mughal-Sammlung aus Indien enthält über 1.000 Einzelblätter mit Kalligraphien und Porträtminiaturen der Mughal-Kaiser.
Die Ausstellungen
Das Museum präsentiert zwei Dauerausstellungen. Im ersten Obergeschoss zeigt „Arts of the Book“ die Kunst des Buches von der Antike bis zur Gegenwart – darunter illuminierte europäische Handschriften, Meisterdrucke von Dürer bis Rembrandt sowie eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen chinesischer Jadebücher.
Im zweiten Obergeschoss widmet sich „Sacred Traditions“ den Weltreligionen: Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Jainismus und altägyptische Glaubensvorstellungen werden anhand ihrer heiligen Texte und Kunstwerke dargestellt.
Über den Ausstellungsräumen liegt ein kleiner, ruhiger Dachgarten. Er wurde als kontemplativer Raum gestaltet und bietet einen Blick über die Dubh-Linn-Gärten und das Dublin Castle – ideal für eine Pause zwischen den Sammlungen.
Sir Alfred Chester Beatty
Der amerikanische Bergbauingenieur Alfred Chester Beatty (1875–1968) machte sein Vermögen im Kupferbergbau, was ihm den Beinamen „King of Copper“ einbrachte. Bereits als junger Mann begann er, chinesische Schnupftabakdosen und japanische Netsuke zu sammeln. Nach einer Ägyptenreise 1914 erweiterte er seine Sammlung um islamische Handschriften.
1950 verließ Beatty Großbritannien – frustriert über die Nachkriegspolitik – und siedelte nach Dublin über. 1954 eröffnete er an der Shrewsbury Road eine Bibliothek zur öffentlichen Präsentation seiner Sammlung. 1957 wurde er als erster Mensch überhaupt zum Ehrenbürger Irlands ernannt. Nach seinem Tod 1968 erhielt er ein Staatsbegräbnis in der St. Patrick’s Cathedral – als erster Privatbürger in der irischen Geschichte. Seine Sammlung vermachte er dem irischen Volk.
Im Jahr 2000 – zum 125. Geburtstag Beattys – zog das Museum in das restaurierte Clock Tower Building im Dublin Castle um. Das Gebäude wurde 1820 errichtet, vermutlich nach Entwürfen des Architekten Francis Johnston, und diente ursprünglich als Zeughaus der Royal Engineers. 2002 wurde das Chester Beatty als erstes und bislang einziges irisches Museum zum Europäischen Museum des Jahres gekürt.
Besuch und Praktisches
Für die beiden Dauerausstellungen solltest du rund 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Am ruhigsten ist es an Werktagen vormittags und am späten Nachmittag; ausgewiesene Stoßzeiten gibt es nicht. Der Eintritt ist frei, eine Spende von 10 € ist willkommen. Ein Ticket oder eine vorherige Buchung sind für Einzelbesucher nicht erforderlich.
- Führungen: Kostenlose Drop-in-Touren mittwochs 17:30, samstags 14:00 und sonntags 15:00 Uhr; Treffpunkt im Atrium, begrenzt auf 15 Personen, keine Anmeldung.
- Audioguide: Über die kostenlose Audiala-App in mehreren Sprachen verfügbar, darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Japanisch.
- Fotografieren: Ohne Blitz erlaubt, außer in eigens gekennzeichneten Bereichen.
- Vor Ort: das Silk Road Café mit mediterraner und nahöstlicher Küche sowie ein Museumsshop, der auch ohne Eintritt zugänglich ist.
Das Museum liegt im Innenhof des Dublin Castle und lässt sich gut mit einer Schlossbesichtigung verbinden. Bis zur Dame Street sind es nur rund 2 Gehminuten, zum Trinity College etwa 10 Minuten. Hop-on-Hop-off-Busse halten direkt am Castle. Mehr Anregungen zur Tagesplanung findest du im Guide Sehenswürdigkeiten und im Überblick Museen in Dublin.