Dublins Naturkundemuseum trägt den passenden Spitznamen „der tote Zoo“: ein viktorianischer Saalbau, vollgestopft mit über 10.000 ausgestopften, eingelegten und konservierten Tieren. Aktuell lässt sich dieser besondere Ort allerdings nicht besichtigen – das Haus an der Merrion Street ist seit dem 1. September 2024 wegen einer Generalsanierung geschlossen. Wer trotzdem einen Eindruck der Sammlung möchte, findet ihn vorerst im „Dead Zoo Lab“ bei Collins Barracks.
Wichtig: derzeit geschlossen
Seit dem 1. September 2024 ist das Museum komplett dicht. Die Sanierung umfasst das gesamte Gebäude: Die verbliebenen rund 10.000 Exponate werden ausgelagert (Decant), dazu laufen Untersuchungs- und Planungsarbeiten. Geleitet wird das Projekt vom National Museum of Ireland gemeinsam mit dem Office of Public Works; das Designteam Fitzgerald Kavanagh & Partners ist seit Juni 2024 an Bord.
Ein offizielles Wiedereröffnungsdatum nennt das Museum nicht – die Rede ist von mehreren Jahren. Die früher gültigen Öffnungszeiten (Di–Sa 10:00–17:00, So 14:00–17:00) sind damit hinfällig. Vor einer Anreise lohnt der Blick auf die offizielle Seite.
Ersatz: das „Dead Zoo Lab“
Während der Schließung zeigt das National Museum of Ireland ausgewählte Stücke der Naturkunde-Sammlung in einer eigenen Ausstellung:
- Ort: „Dead Zoo Lab“ im Museum of Decorative Arts and History, Collins Barracks, Benburb Street, Dublin 7, D07 XKV4.
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 9:00–17:00 Uhr.
- Umfang: rund 1.300 Objekte gleichzeitig ausgestellt.
- Eintritt: frei. Einzelbesucher brauchen keine Anmeldung, nur Gruppen buchen vorab über [email protected].
Das ist kein vollwertiger Ersatz für die berühmten Galerien an der Merrion Street, aber die beste Gelegenheit, einen Teil der Sammlung bis zur Wiedereröffnung zu sehen.
Geschichte: ein Museum für ein Museum
Der Charme des Hauses liegt in seinem Alter. Das Gebäude wurde 1856 errichtet und im August 1857 eröffnet – die erste Veranstaltung war eine Conversazione am 27. August 1857 mit rund 1.500 Gästen, darunter der Earl of Carlisle. Wenige Tage später, am 31. August 1857, hielt der Afrikaforscher Dr. David Livingstone hier einen Vortrag; die populäre Zuschreibung als „Eröffnungsrede“ ist im Kern belegt, fiel aber kurz nach dem ersten Empfang.
Seitdem hat sich am Inneren kaum etwas verändert – in 168 Jahren blieb der viktorianische Schaubau weitgehend so, wie er war. Genau deshalb gilt er als „Museum eines Museums“: nicht nur eine Sammlung, sondern ein konserviertes Stück Ausstellungsgeschichte.
Was die Sammlung zeigt
In den Galerien waren über 10.000 Exponate zu sehen – ein Bruchteil der rund zwei Millionen wissenschaftlichen Exemplare, die das Museum insgesamt verwahrt. Das Erdgeschoss widmet sich der irischen Fauna, das erste Obergeschoss den Säugetieren der Welt; die oberen Etagen mit ihren Galerien und Balkonen gehörten zu den eindrucksvollsten Teilen.
Schon vor der Schließung war die Barrierefreiheit eingeschränkt: Nur das Erdgeschoss mit irischer Fauna, Discovery Zone, Shop und einer barrierefreien Toilette war rollstuhlgerecht. Aufzüge ins erste Obergeschoss fehlten – dorthin ging es nur über Treppen. Genau diese Barrieren – Treppen, fehlende Lifte, die Balkone – zu beseitigen, ist ein erklärtes Ziel der laufenden Sanierung.
Lage und Nachbarschaft
Das Museum steht an der Merrion Street im georgianischen Süden Dublins, direkt am Leinster Lawn. Die offizielle Adresse lautet Natural History, Merrion Street, Dublin 2, D02 F627 (Tel. +353 1 677 7444). Auch wenn das Haus geschlossen ist, lohnt die Umgebung einen Spaziergang – hier liegen einige der wichtigsten Adressen der Stadt dicht beieinander:
- Direkt gegenüber, über dem Leinster Lawn, steht die National Gallery of Ireland als architektonisches Pendant.
- Dazwischen liegt das Leinster House, Sitz des irischen Parlaments, flankiert von den Government Buildings.
- Eine Straße weiter an der Kildare Street folgen die Nationalbibliothek und das archäologische National Museum.
- Den Bogen durch Dublins Museumslandschaft spannt der Guide Museen in Dublin, für die Kunstszene ergänzt Kunst & Kultur.