Die National Library of Ireland an der Kildare Street ist eine der großen Forschungsbibliotheken des Landes – und für Besucher trotzdem überraschend zugänglich. Eintritt und alle Ausstellungen sind kostenlos, im Mittelpunkt steht die preisgekrönte Yeats-Schau im viktorianischen Hauptgebäude von 1890. Wer irische Wurzeln sucht, findet hier außerdem den besten Startpunkt für die Ahnenforschung. Direkt nebenan liegt das Leinster House, das irische Parlament.
Geschichte und Architektur
Gegründet wurde die Bibliothek durch den Dublin Science and Art Museum Act von 1877. Den Grundstock bildete die Joly-Sammlung, die der Arzt Jaspar Robert Joly 1863 der Royal Dublin Society vermacht hatte – unter der Bedingung, sie einer künftigen öffentlichen Bibliothek zu übergeben.
Das heutige Gebäude an der Kildare Street wurde 1890 förmlich eröffnet, entworfen vom Architekturbüro Thomas N. Deane and Son. Der Bau begann 1885, nachdem der Prince of Wales – der spätere Edward VII. – den Grundstein gelegt hatte; bei der Eröffnung wurde Thomas Newenham Deane zum Ritter geschlagen. Die ursprüngliche Sandsteinfassade aus Mount-Charles-Stein wurde 1969 wegen Verwitterung durch Ardbraccan-Kalkstein ersetzt.
Das Herzstück ist der Lesesaal unter der markanten Kuppel. Diesen Raum machte James Joyce zum Schauplatz der neunten Episode seines Romans Ulysses, in der Stephen Dedalus über Shakespeares Hamlet philosophiert. Wer sich für das literarische Dublin interessiert, findet im Guide Schriftsteller die größeren Zusammenhänge.
Die Ausstellungen
Die NLI bespielt 2026 drei verschiedene Standorte – wer alle sehen will, plant Wege durch die Innenstadt ein.
- Yeats: The Life and Works of William Butler Yeats im Hauptgebäude an der Kildare Street. Die preisgekrönte Schau zum Nobelpreisträger zeigt Originalmanuskripte, persönliche Gegenstände und multimediale Installationen; kostenlos, ohne Buchung. Das ist die zentrale Ausstellung – allein dafür reichen 45 bis 60 Minuten.
- Seamus Heaney: Listen Now Again im Bank of Ireland Cultural and Heritage Centre an der Westmoreland Street. Das Archiv des zweiten irischen Literaturnobelpreisträgers mit Manuskripten, Tagebucheinträgen und Notizen. Geöffnet Mo–Sa 10:00–16:00 (letzter Einlass 15:30), sonntags und feiertags geschlossen.
- Live Aid Exhibition im National Photographic Archive am Meeting House Square in Temple Bar. Die aktuelle Hauptausstellung des Fotoarchivs läuft bis 2027, täglich 10:00–16:00; Führungen freitags 14:00 und samstags 11:00.
Alle drei Ausstellungen sind kostenlos. Hast du nur wenig Zeit, konzentrier dich auf die Yeats-Schau im Hauptgebäude – die Heaney- und Live-Aid-Ausstellung lohnen sich vor allem, wenn du ohnehin Richtung Temple Bar unterwegs bist.
Sammlungen, Lesesäle und Reader’s Ticket
Die NLI ist eine Präsenzbibliothek – ausgeliehen wird nichts. Der kostenlose Zugang umfasst Bücher, Manuskripte, Zeitungen, Zeitschriften, Fotografien, Karten, Musikalien und Druckgrafiken. Seit 1927 hat die Bibliothek den Status eines Pflichtexemplar-Archivs für alle in der Republik Irland erscheinenden Publikationen.
Wer in den Lesesälen arbeiten möchte, braucht einen kostenlosen Reader’s Ticket. Den beantragst du vorab online über rtickets.nli.ie und holst ihn dann mit Lichtbildausweis im Reader’s Ticket Office ab. Die Lesesäle (Main, Microfilm, Manuscripts) sind Mo, Do, Fr 9:30–17:00 und Di, Mi 9:30–19:00 geöffnet, samstags nur an ausgewählten Terminen vormittags und sonntags geschlossen. Für reine Ausstellungsbesucher ist der Reader’s Ticket nicht nötig.
Ahnenforschung und Kirchenbücher
Für Reisende mit irischen Vorfahren ist die NLI die erste Adresse. Der Family History Service im Hauptgebäude hilft kostenlos bei der Suche und bei der Nutzung von Quellen wie Kirchenbüchern, Volkszählungsdaten und Grundbucheinträgen. Eine persönliche Beratung vereinbarst du vorab per E-Mail unter [email protected] oder telefonisch unter +353 1 6030 256; für die Beratung solltest du 30 bis 60 Minuten einplanen.
Auch von zu Hause aus kommst du weit: Die katholischen Kirchenbuchregister sind kostenlos unter registers.nli.ie digitalisiert – über 3.500 Register aus 1.086 Pfarreien mit rund 373.000 Bildern, mit einem Cut-off im Jahr 1880. Die meisten Register beginnen allerdings erst in den 1820ern, ältere Vorfahren lassen sich darüber oft nicht belegen.
Besuch und Praktisches
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung für die Ausstellungen ist nicht nötig. Am ruhigsten ist es früh morgens kurz nach der Öffnung um 9:30 und an Wochentagen außerhalb der Mittagszeit. Beachte die unterschiedlichen Zeiten der einzelnen Bereiche – die im Kasten genannten Öffnungszeiten gelten für die Yeats-Ausstellung im Hauptgebäude, Lesesäle und Heaney-/Live-Aid-Ausstellung haben eigene Zeiten. 2026 gibt es zudem mehrere Schließtage an Feiertagen, ein Blick auf nli.ie vor der Anreise lohnt sich.
Die Lage im georgianischen Süden Dublins macht das Kombinieren leicht. Direkt nebenan liegt das Leinster House, angrenzend das National Gallery of Ireland und rund 250 Meter weiter das Naturkundemuseum. Wenige Minuten zu Fuß sind es zum Trinity College, zum St Stephen’s Green, zum Museum of Literature (MoLI), zum Mansion House und zum Little Museum of Dublin. Zur Anreise hilft der Guide Nahverkehr, für die Tagesplanung der Überblick Sehenswürdigkeiten und für weitere Häuser der Guide Museen in Dublin.