Am College Green, gegenüber dem Trinity College, steht eines der bedeutendsten Bauwerke Dublins: das erste Gebäude der Welt, das eigens als Zweikammer-Parlament errichtet wurde. Heute beherbergt es eine Filiale der Bank of Ireland, doch das prachtvolle House of Lords ist erhalten geblieben – und für Besucher kostenlos zugänglich.
Geschichte und Architektur
Der Bau begann 1729 nach Plänen des irischen Architekten Sir Edward Lovett Pearce, dem führenden Vertreter des Palladianismus in Irland. Pearce, selbst Parlamentsabgeordneter, gewann den Entwurfswettbewerb und wurde 1732 für sein Werk zum Ritter geschlagen. Nach seinem frühen Tod 1733 führte Arthur Dobbs die Arbeiten bis 1739 fort. Das ursprüngliche Gebäude umfasste einen halbkreisförmigen Grundriss mit einer E-förmigen Kolonnade aus ionischen Säulen.
Zwischen 1785 und 1789 ergänzte James Gandon den östlichen Portikus mit korinthischen Säulen zur Westmoreland Street. Die westliche Erweiterung zum Foster Place entwarf Robert Parke 1787. Die geschwungenen Verbindungsmauern, die dem Gebäude sein einheitliches Erscheinungsbild geben, fügte später Francis Johnston hinzu. Über dem Haupteingang thronen Statuen des Bildhauers Edward Smyth: Hibernia als Personifikation Irlands, daneben Fidelity und Commerce.
Vom Parlament zur Bank
Das irische Parlament tagte hier bis zum Act of Union 1800, der die Vereinigung mit Großbritannien besiegelte. Durch massive Bestechungen brachte die britische Regierung das Parlament dazu, für seine eigene Auflösung zu stimmen.
1803 erwarb die Bank of Ireland das Gebäude unter der Bedingung, es nie wieder für politische Versammlungen zu nutzen. 1808 eröffnete hier die Bankhalle – eine der ältesten durchgehend genutzten Bankhallen der Welt. Das ehemalige House of Commons wurde nach einem Brand 1792 zur Kassenhalle umgebaut, während das House of Lords mit seiner Kassettendecke, den Eichenholzvertäfelungen und den historischen Wandteppichen erhalten blieb. Die Tapisserien zeigen die Schlacht am Boyne und die Belagerung von Derry. Die Kanonen im Innenhof stammen von der hauseigenen Miliz der Bank.
Was dich erwartet
Höhepunkt für Besucher ist das House of Lords, die ehemalige Oberhaus-Kammer. Hier kannst du die original erhaltene Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert sehen: die vergoldete Kassettendecke, einen irischen Kristallleuchter und die 300 Jahre alten Wandteppiche. An den meisten Werktagen ist die Kammer selbstgeführt zugänglich – eine Informationstafel erklärt die Geschichte. Wer mehr erfahren möchte, plant den Besuch auf einen Dienstag: Dann führt das Bankpersonal kostenlos durch den Raum.
Beachte, dass der Zugang gesperrt sein kann, wenn die Kammer für eine private Veranstaltung genutzt wird. Seit Mai 2025 läuft zudem eine umfangreiche, auf rund drei Jahre angelegte Restaurierung des gesamten Komplexes im Wert von 36 Millionen Euro. Sie umfasst 280 Fenster, 45 Treppen, 200 Kilometer Elektrokabel, 54 Dächer und die Reinigung der historischen Wandteppiche im House of Lords. Die Bankfiliale bleibt während der Arbeiten regulär geöffnet; ob und wann der Besucherzugang konkret eingeschränkt wird, ist nicht offiziell ausgewiesen.
Besuch und Praktisches
Der Besuch ist kostenlos, auch die Führungen am Dienstag sind gratis und ohne Anmeldung. Da die Bank of Ireland keine offiziellen Besuchszeiten veröffentlicht, lohnt vor dem Besuch ein kurzer Anruf unter 01 677 6801 – besonders während der laufenden Bauarbeiten.
Das Gebäude liegt direkt am College Green, gegenüber dem Haupttor des Trinity College mit dem Book of Kells. In wenigen Gehminuten erreichst du Dublin Castle, die City Hall und das Ausgehviertel Temple Bar; auch The Spire und das General Post Office an der O’Connell Street sind nicht weit. So lässt sich der kurze Stopp gut mit einem Rundgang durch die Innenstadt verbinden.