Der Royal Canal Way ist ein National Waymarked Trail, der dem Treidelpfad des Royal Canal folgt – jenem schmalen Weg, auf dem früher die Zugpferde die Lastkähne zogen. Der gesamte ausgeschilderte Trail (gelber Pfeil auf schwarzem Grund, verwaltet von Waterways Ireland) zieht sich über rund 144 bis 146 Kilometer vom 1st Lock in Ashtown bis nach Cloondara in County Longford und gilt als „Easy” – flach, ohne nennenswerte Steigungen. Für einen Tag aus Dublin heraus eignet sich der erste Teil bis Leixlip. Der Weg ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt.
Die folgende Aufteilung in einen Stadt- und einen Landteil ist redaktionell und nicht offiziell markiert. Sie hilft aber, den Charakter der beiden Hälften zu verstehen: vorne urbaner Kanal mit Schleusen und Industriearchitektur, hinten Felseinschnitt und Felderlandschaft.
Der Stadtabschnitt bis Ashtown
Der erste Teil beginnt an der Newcomen Bridge am 1st Lock an der North Strand Road, Dublin 1 (ein „Lock” ist hier kein Schloss, sondern eine Schleuse). Vom Treidelpfad auf der Südseite passiert man Clarke’s Bridge mit Panoramablick auf den Croke Park, geht über Clonliffe Bridge weiter und wechselt an der Binns Bridge ab dem 2nd Lock auf die Nordseite. Der Grund zeigt sich rasch: Bei den nächsten Schleusen grüßt das Mountjoy Jail, und wer mag, summt leise „The Auld Triangle”.
Weiter geht es an Cross Guns Bridge vorbei zum 6th Lock mit der Ruine eines Schleusenwärterhauses, dann an Broome Bridge und Reilly’s Bridge bis zur Longford Bridge. Hier endet der Stadtabschnitt. Über die nahe Station Ashtown geht es per Bahn zurück in die Innenstadt – oder erst noch auf ein kräftiges Häppchen ins Halfway House. Eine unabhängige Messung gibt für diesen Abschnitt rund 7,5 Kilometer an; mit Stopps sind das etwa 2 bis 2,5 Stunden.
Der Landteil bis Leixlip
Hinter der Longford Bridge führt der Pfad wieder auf die Südseite. Nach weiteren Schleusen passiert man die nicht mehr genutzte Ranelagh Bridge und die Dunsink Lane Bridge, von wo aus man gelegentlich einen Blick auf die Sternwarte erhascht. Am M50-Übergang wird es kurz spektakulär: Hier kreuzt der Kanal Dublins Ringautobahn, während Bypass-Roundabout und Bahnlinie dicht beieinanderliegen. Bei der Talbot Bridge stehen alte Mühlen, die heute als Wohnungen dienen.
Im Bereich von Dublin 15, zwischen Castleknock nach dem 12th Lock und Clonsilla, liegt der bekannteste Abschnitt: The Deep Sinking. Weil die Kanaltrasse hier tief in den Fels gegraben wurde, verläuft der Towpath stellenweise acht bis neun Meter über dem Wasser, eng und ausgesetzt. Der Name ist ein etablierter historischer Eigenname, keine offizielle Trailbezeichnung. Wie gefährlich die Stelle sein kann, zeigt die Katastrophe von 1845, als ein nächtliches Passagierboot hier auf Felsen lief und 16 Menschen ums Leben kamen. Volle Aufmerksamkeit ist geboten, der Pfad ist schmal und kann rutschig sein.
Nach dem Felseinschnitt weitet sich der Weg, an der Callaghan Bridge steht das alte Stellwerk Clonsilla, kurz darauf Reste einer alten Eisenbahnbrücke – und fast übergangslos beginnt offene Felderlandschaft. Bei der Collins Bridge liegt das Gelände der Royal Canal Amenity Group, die den Kanal seit ihrer Gründung 1974 als linearen Park pflegt und entwickelt. Endpunkt der Tageswanderung ist die Cope Bridge am GAA-Spielfeld. Von hier geht es per Bahn zurück oder zu Fuß hinab ins Städtchen Leixlip, dem Geburtsort des Guinness (Arthur Guinness braute hier erstmals 1756). An der Main Street finden sich mehrere Pubs und Restaurants, etwa der Salmon Leap Inn oder Arthur’s Bar.
Untergrund, Sicherheit und Saison
Der Weg ist flach, aber kein durchgehend befestigter Spazierpfad. Er führt über grasige Treidelpfade, Schotter und teils Asphalt; einzelne Abschnitte sind matschig, rund 9 Kilometer (etwa 12 Prozent des Gesamttrails) verlaufen auf lokalen Straßen. Festes Schuhwerk ist daher Pflicht, besonders an den rutschigen Stellen im Deep Sinking.
- Beste Zeit: Frühling bis Herbst bei trockenem Wetter und Tageslicht. Im Winter machen kurze Helligkeit und matschige Abschnitte die Tour anstrengender; bei Hochwasser können Towpath-Bereiche temporär schwer passierbar sein.
- Tageslicht: Einige Abschnitte sind einsam – nur bei Helligkeit begehen.
- Hunde: An der Leine erlaubt, mit Beseitigungspflicht.
- Aktueller Stand: Im Mai 2026 hat Waterways Ireland am Deep-Sinking-Towpath bei Coolmine instand gesetzt (75 abgestorbene Bäume entfernt, rund 700 Meter Towpath erneuert, bessere Sicht). Der Weg ist seit dem 26. Mai 2026 wieder voll geöffnet; der weitere Greenway-Ausbau verzögert sich noch.
Wer aktuelle Hinweise zum Wetter sucht, findet sie im Guide Wetter in Dublin.
Anreise und Praktisches
Der Startpunkt Newcomen Bridge liegt zentral an der North Strand Road in Dublin 1 und ist gut per Dublin Bus erreichbar. Ashtown am Ende des Stadtabschnitts liegt an der Maynooth-Commuter-Bahnlinie (etwa halbstündlich, nicht die DART-Linie), die auch Leixlip anbindet – so lässt sich der Weg flexibel an vielen Brücken beginnen und beenden. Tipps zu Tickets und Tarifen gibt der Guide Leap Card, einen Überblick über Bahn und Bus der Guide Nahverkehr.
Verbindliche Routeninfos liefern Waterways Ireland als Verwalter sowie das National Trails Office von Sport Ireland; die Royal Canal Amenity Group ergänzt Heritage- und Greenway-Infos.
Lohnt sich das?
Der Royal Canal Way ist kein klassischer Sightseeing-Stopp, sondern eine Wanderung – ideal, wenn du Dublin abseits des Trubels und aus ungewöhnlicher Perspektive erleben willst. Der Stadtabschnitt spricht vor allem Fans urbaner Industriearchitektur an, der Landteil belohnt mit Felseinschnitt und Felderidylle. Wer wenig Zeit hat oder nur Innenstadtziele abklappert, kann ihn auslassen.
Gut kombinieren lässt sich der Weg mit Zielen am Nordwestrand der Stadt: Der Phoenix Park und das Ashtown Castle liegen nahe der Station Ashtown, der Glasnevin Cemetery nur wenige Kilometer entfernt. Wer Dublins Geschichte vertiefen will, findet im Guide Geschichte Dublins die größeren Zusammenhänge, weitere Grünziele im Guide Parks und Natur.